Pflege bei Demenz

Viele Menschen im Alter über 60 Jahren erkranken an Demenz. Um weiterhin ein weitgehend selbstständiges Leben führen zu können, sind sie auf regelmäßige Pflege und Betreuung angewiesen.

Demenzkranke Menschen benötigen eine andere Form der Pflege als körperlich kranke Pflegebedürftige. Ihre gesundheitliche Einschränkung findet nämlich nicht im Körper, sondern im Geist statt. Während Personen mit einer körperlichen Erkrankung oder Behinderung allein aus ihrem körperlichen Unvermögen darauf angewiesen sind, Unterstützung bei der Körperpflege, bei der Bewegung oder bei der Einnahme von Mahlzeiten zu erhalten, ist der Fall bei Demenzkranken anders gelagert: Sie sind, vor allem in frühen Stadien der Erkrankung, oftmals körperlich noch fit, doch die Fähigkeiten des Gehirns lassen nach. Obwohl sie rein körperlich noch dazu in der Lage wären, sich selbst zu waschen oder Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, verhindert das nachlassende Gedächtnis- und Erinnerungsvermögen, dass sie den Alltag selbstbestimmt gestalten können.

In der Pflege einer demenzkranken oder an Alzheimer erkrankten Person entstehen dadurch besondere Anforderungen an die pflegende Person, die nicht nur auf die körperlichen Schwächen, sondern auch auf den Verlust des Erinnerungsvermögens der pflegebedürftigen Person eingehen muss. Insbesondere für Angehörige ist die Pflege eines demenzkranken Familienmitglied mit großen Herausforderungen verbunden, da emotionale Ausbrüche oder die Unfähigkeit, vertraute Personen zu erkennen, die Pflege erschweren.

Was ist Demenz und wie entsteht sie?

Die Demenz ist eine kognitive Erkrankung des Gehirns und tritt üblicherweise ab einem Alter von rund 60 Jahren auf. Der Definition nach ist Demenz ein psychiatrisches Syndrom, das im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt – das Erinnerungs- und Denkvermögen verliert nach und nach seine Funktionsfähigkeit; die betroffene Person baut kognitiv sozusagen ab. Übersetzt werden kann der aus dem Lateinischen abgeleitete Begriff mit „Nachlassen der Verstandeskraft“.

Die Defizite, die zu Beginn der Erkrankung nur schwach ausgeprägt sind, im weiteren Verlauf aber stark zunehmen, sind sowohl kognitiver als auch emotionaler Natur, so dass neben dem individuellen Denk- und Erinnerungsvermögen auch die soziale Interaktion mit Verwandten, Freunden und fremden Menschen von der Erkrankung betroffen sind. Weil die Demenz bei einigen Betroffenen mit einer Veränderung der Persönlichkeit einhergeht, kann das Aufrechterhalten der sozialen Interaktion und von Beziehungen zu Angehörigen und Bekannten einer harten Prüfung unterzogen werden. Während Persönlichkeitsveränderungen nur in Einzelfällen auftreten, sind von einer Demenz fast immer das Kurzzeitgedächtnis und das Denkvermögen betroffen, oftmals in Kombination mit Schwierigkeiten im Sprechvermögen und der Motorik. So ist es am Anfang der Erkrankung in den meisten Fällen eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses oder der Merkfähigkeit, die einen Hinweis auf Demenz geben kann. Im weiteren Verlauf kommen Störungen des emotionalen und sozialen Verhaltens sowie der Verlust der Orientierungsfähigkeit dazu. Besonders schwere Formen der Demenz können auch das Langzeitgedächtnis angreifen, sodass der Betroffene sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Fertigkeiten verliert, die er im Laufe seines Lebens erlernt oder erworben hat.

Medizinisch werden verschiedene Formen der Demenz unterschieden, für die häufig keine direkte Ursache ausgemacht werden kann. Die Form der Demenz, die am häufigsten auftritt, ist die Alzheimer-Demenz, die nicht reversibel ist; andere Formen der Demenz können teilweise durch gezieltes Training der Gedächtnisfunktionen aufgehalten oder verlangsamt werden.

Pflege und Betreuung von demenzkranken Personen

Für demenzkranke Pflegebedürftige kommen verschiedene Formen der Pflege in Frage, die sich in der Regel einerseits nach dem Stadium der Erkrankung richten, andererseits danach, ob Angehörige die Pflege ganz oder teilweise übernehmen können und wie viel Geld dem Pflegebedürftigen zur Verfügung steht.

Wie viele andere Pflegebedürftige wünschen sich auch demenzkranke Personen, weiterhin in ihrer eigenen Wohnung oder einem vertrauten Umfeld, z. B. bei der Familie, leben zu können. Dabei spielt die Familie innerhalb der Gesellschaft weiterhin eine wichtige Rolle, denn in der Regel sind es enge Angehörige, die sich um einen demenzkranken Pflegebedürftigen kümmern, häufig unterstützt durch einen Pflegedienst, der zu bestimmten Zeiten die Pflege übernimmt. Pflegenden Angehörigen sollte von Beginn an klar sein, dass sie es mit einer tückischen Krankheit zu tun haben, die besondere Anforderungen an die Pflege und Betreuung stellt. Im Verlauf der Krankheit verlieren die Pflegebedürftigen nämlich nicht nur das Kurzzeitgedächtnis, sondern erkennen ihre eigenen Angehörigen nicht mehr, verwechseln sie mit Menschen aus früheren Phasen ihres Lebens oder beschimpfen ihre Familienmitglieder, weil ihre soziale Kompetenz nachlässt.

Je nachdem, in welchem Stadium der Demenz sich ein pflegebedürftiger Angehöriger befindet, fällt deshalb den pflegenden Familienmitgliedern die Entscheidung zu, wo der Demenzkranke am besten aufgehoben ist – in der eigenen Wohnung mit regelmäßiger Betreuung, im Haus oder in der Wohnung eines pflegenden Angehörigen oder in einem Pflegeheim. Entscheiden sich die Angehörigen dafür, die Pflege und Betreuung eines demenzkranken Pflegebedürftigen zu übernehmen, kann der Einsatz eines professionellen Pflegedienstes oder die Unterbringung in einer Tagespflegeeinrichtung für eine wichtige Entlastung des Alltags sorgen.

Zusätzliche Angebote für demenzkranke Pflegebedürftige

In der Pflege von Demenzkranken ist es besonders für pflegende Angehörige wichtig, eine regelmäßige Auszeit von der Pflege nehmen zu können. Ein Angehöriger, der 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für die Betreuung eines demenzkranken Familienmitglieds zur Verfügung steht, wird schnell an seine Belastungsgrenze stoßen. Deshalb ist es sinnvoll, die häusliche Pflege mit weiteren Angeboten, die teilweise auch von der Pflegeversicherung finanziell unterstützt werden, zu kombinieren. Vor allem wenn die pflegenden Angehörigen berufstätig sind, stellt die Pflege eines Demenzkranken sie ohne weitere Unterstützung vor eine beinahe unlösbare Aufgabe, da je nach Stadium der Erkrankung beispielsweise damit gerechnet werden muss, dass der Pflegebedürftige die Wohnung verlässt und nicht mehr nach Hause zurückfindet oder dass er den Herd anlässt und sich und andere in Gefahr bringt.

Zusätzliche Angebote, die in der Demenzpflege eingesetzt werden können, sind z. B. ambulante Pflegedienste, Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen sowie die Kurzzeit- und Verhinderungspflege.

Leistungen der Pflegeversicherung für Demenzkranke

Seit Anfang 2017 sind demenzkranke Pflegebedürftige körperlich erkrankten Pflegebedürftigen gleichgestellt. Der Grund ist die Pflegereform, die im Rahmen der sogenannten Pflegeneuausrichtungsgesetze ein neues System der Voraussetzungen für Leistungen aus der Pflegekasse etabliert hat. Kognitive, sprachliche und psychische Beeinträchtigungen werden seitdem bei der Vergabe eines Pflegegrads in gleichem Maße berücksichtigt wie körperliche Symptome, die eine Pflege erfordern.

Beantragen demenzkranke Versicherungsnehmer bei der Pflegeversicherung einen Pflegegrad, können sie nach der Begutachtung durch einen Pflegegutachter in einen der Pflegegrade 1 bis 5 eingestuft werden und erhalten ein monatliches Pflegegeld oder Pflegesachleistungen in der Höhe, die für den jeweiligen Pflegegrad vorgesehen sind. Auch kombinierte Leistungen aus Pflegegeld und -sachleistungen sind möglich, um beispielsweise zu bestimmten Tageszeiten einen Pflegedienst einzusetzen. Darüber hinaus besitzen sie auch Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel sowie finanzielle Unterstützung für die Tages- oder Nachtpflege, die Kurzzeit- oder Verhinderungspflege oder die Anpassung des Wohnraums.