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Staatliche Pflegeförderung2018-05-24T19:34:01+00:00

Seit 2013 wird im Rahmen der privaten Pflegezusatzversicherung die sogenannte Pflege-Bahr angeboten, eine Pflegetagegeldversicherung, die nach dem Riester-Prinzip mit einem monatlichen staatlichen Zuschuss verbunden ist.

Diese Versicherungsform zeichnet sich dadurch aus, dass für den Abschluss keine Gesundheitsprüfung vorgenommen werden darf. Doch was auf den ersten Blick als Vorteil erscheint, ist für die meisten ein Kritikpunkt – und nicht der einzige, der gegen die Pflege-Bahr spricht.

Jeder kennt die Riester-Rente und das Prinzip, das dahintersteht. Viele Versicherungen bieten sie an, und viele Nutzer nehmen gern die staatliche Förderung in Anspruch, die später ihre Renten so erfreulich erhöht. Doch die wenigsten wissen, dass es eine ähnlich konzipierte Förderung auch in der Pflegeversicherung gibt. Nur heißt sie dort nicht nach Walter Riester, sondern nach Daniel Bahr, dem früheren Bundesgesundheitsminister, der sie 2012 auf den Weg gebracht hat. Neben „Pflege-Riester“ hat sich mittlerweile die Bezeichnung „Pflege-Bahr“ durchgesetzt.
Das Konzept der Pflege-Bahr entstand aus der Erwägung heraus, dass die Pflegepflichtversicherung oft nicht vollständig die Kosten abdeckt, die im Pflegefall entstehen können. Das gilt insbesondere bei der Unterbringung in einem stationären Pflegeheim, deren Kosten von der Pflegekasse bei weitem nicht getragen werden können. Deshalb ist der Staat daran interessiert, dass sich möglichst viele Bürger für eine Pflegezusatzversicherung entscheiden. Um hierfür einen Anreiz zu schaffen, wurde ein Modell entwickelt, das den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung mit einer monatlichen Förderung koppelt.

Pflegetagegeldversicherung mit staatlichem Zuschuss

Pflegezusatzversicherungen werden ausschließlich von privaten Versicherungsunternehmen angeboten. Sie liegen in drei Varianten vor, zwischen denen der Versicherungsnehmer wählen kann: Pflegetagegeldversicherung, Pflegekostenversicherung und Pflegerentenversicherung. Die Pflege-Bahr wird zurzeit ausschließlich für eine dieser Varianten, die Pflegetagegeldversicherung angeboten.

Bei der Pflegetagegeldversicherung wird ein bestimmter Tagessatz festgelegt, der im Pflegefall zur Auszahlung kommen soll; nach diesem richtet sich der Versicherungsbeitrag. Für die geförderte Pflege-Bahr-Versicherung wurden spezielle Tarife geschaffen, denn sie ist an ganz bestimmte Bedingungen gebunden. Faktisch jeder Bürger kann sie abschließen, vorausgesetzt er ist über achtzehn, zahlt in die Pflegepflichtversicherung ein und hat noch keinen Pflegegrad. Ansonsten gibt es für den Abschluss keine der üblichen Einschränkungen. Insbesondere darf keine Gesundheitsprüfung durch die Versicherung erfolgen, und es darf niemand aufgrund von bekannten Vorerkrankungen ausgeschlossen werden.

 
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Höheres Risiko – höhere Beiträge

Das ist gut und schlecht zugleich. Gut, weil auch ältere Menschen oder chronisch Kranke, die anders keine Chance gehabt hätten, eine Zusatzversicherung abzuschließen, in der Pflege-Bahr unterkommen können – aber schlecht, weil die Versicherungen, die keine Gesundheitsfragen stellen dürfen, ihr Risiko natürlich durch eine Erhöhung der Beiträge abzusichern suchen. Wer sich für eine Pflege-Bahr entscheidet, muss in jedem Fall mit deutlich höheren Tarifen rechnen als beim Abschluss einer regulären Pflegetagegeldversicherung.

Dieser Nachteil wird auch durch die staatliche Förderung kaum ausgeglichen, denn sie beträgt nur fünf Euro pro Monat und ist mit der Auflage verbunden, dass der nicht geförderte Eigenanteil mindestens bei zehn Euro liegt. Das bedeutet, der Versicherungsnehmer muss pro Jahr 120 Euro oder mehr einzahlen, um in den Genuss der staatlichen Förderung von jährlich 60 Euro zu kommen.
Welche Leistung dafür im Versicherungsfall geboten wird, hängt vom Alter des Versicherten sowie auch von dem Pflegegrad ab, der ihm zugewiesen wird. Festgesetzt wurde ein Mindestpflegesatz in Höhe von 600 Euro; doch der volle Satz kommt nur zur Auszahlung, wenn der Versicherte den Pflegegrad 5 erreicht, was in der Praxis nur sehr selten der Fall ist. Liegt der Pflegegrad niedriger, kommt lediglich ein Teil des Pflegesatzes zur Auszahlung, der zwischen 10 und 40 % liegt – eine Leistung, die in den meisten Fällen die entstehenden Pflegekosten nicht abdeckt.

Kritik an der Pflege-Bahr

Schon aus diesem Grund ist die Pflege-Bahr von Anfang an in die Kritik geraten. Doch es gibt noch weitere Konditionen, die von den Kritikern bemängelt werden – etwa die Wartezeit, bevor die Leistung in Anspruch genommen werden kann. Bei den meisten Anbietern beträgt sie fünf Jahre, und selbst nach deren Ablauf laufen die Beiträge auch im Pflegefall weiter. Nur wenn ein Unfall die Pflegebedürftigkeit bewirkt, kann die Wartezeit aufgehoben werden.

Fazit: In der jetzigen Form ist die Pflege-Bahr noch wenig geeignet, einen Anreiz für den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung zu schaffen. Nur für eine kleine Personengruppe – etwa über Sechzigjährige oder Menschen mit beginnenden chronischen Krankheiten, die von anderen Pflegeversicherungen nicht mehr aufgenommen werden – ist die Pflege-Bahr empfehlenswert; alle anderen sind mit einer ungeförderten Pflegezusatzversicherung in jeder Hinsicht besser bedient. Doch die Anbieter haben bereits reagiert und Versicherungskombinationen geschaffen, die den Vorteil der staatlichen Förderung mit attraktiveren Beitragskonditionen verbinden. Es lohnt sich also, die Fülle der Angebote genau zu prüfen und zu vergleichen. Und es lohnt sich, mit Spannung die weitere Entwicklung auf diesem Sektor zu verfolgen. Das Thema staatliche Pflegeförderung ist noch längst nicht abgeschlossen.

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