Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Depression

Pflegebedürftigkeit geht oft mit Depressionen einher, vor allem Ältere oder Alleinstehende leiden unter dieser Krankheit.

Depressionen können Ursache für eine Pflegebedürftigkeit sein, die Pflegebedürftigkeit kann aber auch Ursache für eine Depression sein. Die Erkrankung an einer Depression ist weit weniger stigmatisiert als in früheren Zeiten und in der Öffentlichkeit ist bekannt, welche Belastung sowohl bei den Betroffenen als auch bei ihren Angehörigen oder professionellen Pflegekräften entsteht. Besonders bei älteren Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben selbstständig zu führen, kann die Hilfebedürftigkeit mit Antriebslosigkeit, mangelndem Interesse, Trübsal, Niedergeschlagenheit oder Ängsten in Verbindung stehen.

Der Antrag auf eine Pflegestufe bzw. seit 2017 auf einen der fünf Pflegegrade kann sinnvoll sein, wenn mit der Depression ein deutlich erhöhter Pflege- und Betreuungsbedarf einhergeht. Auch die Einstufung in einen höheren Pflegegrad ist möglich, wenn bereits Pflegebedarf festgestellt wurde.

 
Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen
 

Depression – was ist das?

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung und macht sich durch Gefühle der Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Mutlosigkeit oder Angst bemerkbar. Betroffene können sich daraus nicht mehr selbst befreien, die Bewältigung des Alltags ist oft nicht mehr möglich. Besonders bereits pflegebedürftige Personen sind gefährdet, aber auch Menschen, die den Tod eines nahen Angehörigen verkraften müssen oder über einen längeren Zeitraum einsam sind. Vielmals erkennen die Patienten die Depression nicht als solche, sondern fügen sich in ihr Schicksal. Das führt dazu, dass die Situation noch schwieriger wird, Ziele werden aus den Augen verloren, die positive Einstellung zum Leben fehlt und bei stark ausgeprägter Depression werden auch alltägliche Dinge, zum Beispiel Körperpflege oder Ernährung, vernachlässigt.

Es ist sehr wichtig, bei älteren Menschen eine Depression von einer Demenzerkrankung zu unterscheiden, oftmals werden die beiden ähnlichen Krankheitsbilder miteinander vermischt. Die Auswirkungen auf Therapie oder Pflegebedarf sind allerdings völlig unterschiedlich.

Bei der Diagnostik einer Demenzerkrankung wird zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen unterschieden. Als Hauptsymptome werden folgende Punkte genannt: depressive Stimmung (nicht Trauer), Freudlosigkeit, mangelndes Interesse, Antriebsschwäche, Müdigkeit. Die Zusatzsymptome können zum Beispiel Probleme bei Konzentration und Aufmerksamkeit, schwindendes Selbstvertrauen, geringes Selbstbewusstsein, Schuldgefühle, Zukunftsängste, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit sein. Handelt es sich um eine besonders schwere Form der Depression können auch Selbstverletzungen oder suizidale Gedanken auftreten.

Depression und Pflegebedürftigkeit

Voraussetzung, um eine Depression zu behandeln und auch in der Pflege richtig damit umzugehen, ist natürlich die korrekte Diagnose. Die Abgrenzung zwischen einer zeitlich begrenzten depressiven Verstimmung und einer behandlungswürdigen Depression ist nicht immer einfach.

Nicht nur für die Betroffenen, auch für die Angehörigen und das Pflegepersonal ist es eine Herausforderung, der hoffnungslosen oder ängstlichen Gemütslage zu begegnen. Schnell kann sich die negative Stimmung ausbreiten.

Wird eine Depression nicht behandelt, kann sich der Bedarf an Pflege bei den Betroffenen rasch vergrößern. Möglich ist, dass die Patienten sämtliche Aktivitäten ablehnen, die Körperhygiene schleifen lassen, sich gegen soziale Interaktion und Kommunikation wehren und weder Essen noch Trinken zu sich nehmen. Das ist nicht nur belastend, sondern auch aus medizinischer Sicht bedenklich. Handelt es sich um eine schwere Depression, gegebenenfalls auch mit Suizidgedanken verbunden, ist eine umfassende Pflege, teilweise rund um die Uhr, vonnöten – eine große Herausforderung für Angehörige und Pflegepersonal.

Körperpflege, Bewegung und Nahrungsaufnahme bei Depressionen

Das Pflegepersonal ist in Fällen von Depression besonders gefordert, um die Patienten zu unterstützen und zu motivieren. Eine Struktur im Alltag ist bei dieser Krankheit wichtig: aufstehen zur gleichen Zeit, Körperpflege, ankleiden, Frühstück – das alles sind Punkte, bei denen Pflegebedürftige auf Hilfe angewiesen sein können. Im Sinne der sogenannten aktiven Pflege soll eine Anleitung zur Selbstständigkeit gegeben werden. Die Pflegekraft hat nur ein wachsames Auge, die Patienten sollten selbst aktiv werden.

Dadurch, dass Appetitlosigkeit oft mit einer Depression einhergeht, liegt ein besonderes Augenmerk auf der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Die Pflegekraft stellt sicher, dass ausreichend gegessen und getrunken wird. In Fällen, in denen sich die Patienten weigern, muss ein Arzt konsultiert werden.

Kommunikation bei Depression

Die soziale Interaktion, das Gespräch mit Depressiven ist mitunter nervenaufreibend oder gar nicht möglich. Geduld und Verständnis sind unabdingbar, denn die Patienten ziehen sich oft zurück und verweigern das Gespräch. Andere Betroffene sprechen übermäßig viel, jammern und klagen über ihre Situation. Auch hier sind Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt, um Wege aus der Krise aufzuzeigen und die Hoffnungslosigkeit nicht weiter zu verstärken. Es ist angeraten, sich neutral zu verhalten und keine Wertungen vorzunehmen, um die Betroffenen nicht zu verletzen. Oftmals öffnen sich die Patienten dann und sprechen über ihre Empfindungen.

Depression und Pflegestufe bzw. Pflegegrad

Mit der Pflegereform 2016 wird der Pflegebegriff um psychische und kognitive Erkrankungen erweitert, der Fokus liegt nicht mehr rein auf körperlichen Beschwerden. Aus diesem Grund kann auch bei einer Depression eine Pflegestufe bzw. seit 2017 ein Pflegegrad von der Pflegeversicherung vergeben werden. Handelt es sich um eine körperliche oder kognitive Erkrankung im Zusammenspiel mit einer Depression, kann die Depressionserkrankung auch Auswirkungen auf den konkreten Pflegegrad haben, sodass Anspruch auf umfangreichere Pflegeleistungen besteht.

 
Pflegeleistungen im Detail erklärt
 

Bei der Einstufung in den korrekten Pflegegrad wird immer der Einzelfall betrachtet. Hier kommt das „Neue Begutachtungsassessment“ zum Einsatz, bei dem der Pflegebedarf individuell gemessen werden soll. Der Antrag hierfür wird formlos bei der zuständigen Pflegeversicherung eingereicht.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen