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Rentenversicherungsbeiträge2018-05-24T19:32:48+00:00

Schon 1889 wurde in Deutschland die staatliche Rentenversicherung eingeführt und damit jedem Beschäftigten, der Beiträge in die staatliche Rentenkasse einzahlte, eine Altersrente garantiert.

Das war der Grundstein für die moderne Sozialgesetzgebung, die uns auch heute noch Sicherheit im Alter oder bei Berufsunfähigkeit garantiert. Doch was einst ein relativ überschaubares Modell war, hat sich längst zu einem weit verzweigten, komplizierten System entwickelt, das kaum noch ein Laie durchschauen kann.

Wenn es um die Rentenfinanzierung geht, fällt oft das Wort vom „Generationenvertrag“: Die Söhne und Töchter erwirtschaften von ihren Arbeitsentgelten die Renten für ihre Väter und Mütter, und wenn sie dann selbst ins Rentenalter kommen, ist eine Enkelgeneration herangewachsen, die wiederum für sie die Renten bezahlt. Ein schönes Konzept, schon vom Namen her an die Utopie vom Gesellschaftsvertrag angelehnt, die während der Aufklärung entwickelt wurde. Zugleich erinnert es aber auch an die alten Zeiten vor der Rentenversicherung, als es noch dem Familienverband oblag, die Alten und Kranken zu versorgen. Damals war der Generationenvertrag eine ganz klare und greifbare Sache: Wenn die Eltern ihr Leben lang hart gearbeitet und Kinder aufgezogen hatten, geboten es der Anstand und die Dankbarkeit, sie im Alter nicht im Stich zu lassen.

 
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Rentenanspruch durch Beitragszahlung

Doch wer keine Kinder hatte, blieb bei diesem Konzept außen vor, und spätestens mit dem Aufkommen des Industriezeitalters wurde klar, dass andere Lösungen gefunden werden musste. Die ersten Berufsgenossenschaften bildeten sich schon im 17. Jahrhundert und funktionierten im Grunde ähnlich wie die heutigen Rentenversicherungen: Es gab einen Fonds, in den die Mitglieder regelmäßig Beiträge einzahlten und sich damit einen Anspruch auf Versorgung bei Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit erwarben.

Die Stunde des staatlichen Versicherungssystems schlug im Jahre 1889, als unter Bismarck das „Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“ verabschiedet wurde – ein wahrhaft revolutionäres Gesetz, das Deutschland zum europäischen Vorreiter des Sozialversicherungssystems werden ließ. Bis heute bildet es die Basis, auf der die gesamte deutsche Sozialgesetzgebung beruht – auch wenn sich die Beiträge und Konditionen mittlerweile krass verändert haben. Zu Bismarcks Zeiten belief sich der Beitragssatz auf ganze 1,7 % des jeweiligen Einkommens – von einer solchen Zahl können wir heute nur träumen. Allerdings gab es die Altersrente erst ab dem 70. Lebensjahr, einem Alter, das unter den damaligen Arbeits- und Lebensbedingungen nur die Wenigsten erreichten. Eine weitaus größere Rolle spielte in den frühen Jahren der Sozialversicherung die Invaliditätsrente und die bereits 1884 begründete Krankenversicherung. Durch sie wurden Millionen kranker Menschen vor sozialem Elend oder sogar vor dem Tod bewahrt.

Gesicherte Rentenfinanzierung

Zur Finanzierung der Renten wurde festgelegt, dass die Rentenbeiträge zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern an die Rentenkasse zu entrichten sind. Dazu kam noch ein Zuschuss aus Steuergeldern, der von Jahr zu Jahr divergierte und die Auszahlung der Renten auch dann garantierte, wenn die Beitragsleistungen, etwa aufgrund von schlechter Konjunktur oder geburtenschwachen Jahrgängen, die Kosten für die auszuzahlenden Renten nicht deckten. Auch diese Regelung hat sich in allen Wechselfällen der turbulenten deutschen Geschichte bewährt und wird prinzipiell immer noch angewandt – heute allerdings im Rahmen hochkomplizierter Berechnungen und Kalkulationen, die dafür sorgen, dass auch in einer Zeit, da die Deutschen immer älter werden und vergleichsweise wenige Kinder nachwachsen, der fiktive Generationenvertrag jederzeit eingehalten werden kann.

 
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Kompliziertes Rentensystem

Mittlerweile hat sich das deutsche Rentenversicherungssystem zu einem komplizierten Gebilde aus verzweigten und miteinander vielfältig verflochtenen Rentenarten entwickelt, das für den Laien nur schwer zu durchschauen ist. Eckpfeiler des Systems sind

  • die Altersrente. Hier werden aus den Jahren der Beschäftigung eines Versicherungsnehmers und den jeweils eingezahlten Versicherungsbeiträgen Entgeltpunkte errechnet, aus denen sich die jeweilige Höhe eines Rentenanspruchs ergibt. Neben der Regelaltersrente gibt es noch verschiedene Sonderformen, etwa die Rente für langjährig Beschäftigte oder die Schwerbehindertenrente. Der Beitragssatz für die Rentenversicherung wurde ab 2018 aufgrund der guten Konjunkturlage gesenkt und liegt jetzt bei 18,6 %.
  • die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, die aus der ursprünglichen Invaliditätsrente hervorging. Wer nicht mehr oder nur noch eingeschränkt (weniger als sechs Stunden pro Tag) in der Lage ist, seinen Beruf auszuüben, hat Anspruch auf diese Rente, sofern er in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Berufsunfähigkeit mindestens drei Jahre lang Rentenbeiträge als Beschäftigter gezahlt hat. Man unterscheidet zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderung, wobei es auch hier wieder ein kompliziertes System von Spezialfällen gibt.
  • die Rente wegen Todes. Diese Rentenart wurde erst später in das Rentenversicherungssystem aufgenommen und bildet darin insofern eine Ausnahme, als keine Beitragszahlung erforderlich ist, um in ihren Genuss zu kommen. Sie ist eine Ersatzleistung und wird nach Todesfällen an Hinterbliebene ausgezahlt, die von dem Verstorbenen finanziell abhängig waren, also in der Regel Witwen oder Waisen.

Von der Familienversorgung zum staatlich gelenkten Generationenvertrag – eine lange und wechselvolle Entwicklung, die viel dazu beigetragen hat, soziale Sicherheit zu schaffen.

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