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Pflegeversicherung für Beamte2018-05-24T21:20:08+00:00

Wer Beamter ist, hat’s gut: Wird er pflegebedürftig, so trägt sein Dienstherr im Rahmen der Beihilfe für Beamte einen ansehnlichen Teil der anfallenden Kosten. Der Rest wird in der Regel über eine private Pflegeversicherung mit speziellen Beamtentarifen abgedeckt. Doch angesichts des ständig steigenden Niveaus der Pflegekosten in Deutschland sind auch Zusatzversicherungen empfehlenswert.

Beamte und Beamtenanwärter sind die Sonnenkinder des Sozialstaats – sie genießen die Vorteile des Alimentationsprinzips. Das bedeutet, dass ihr jeweiliger Dienstherr, also in der Regel eine öffentliche Institution des Bundes, eines Bundeslandes oder einer Gemeinde, verpflichtet ist, sie und ihre Familien angemessen zu versorgen, wenn sie krank oder dienstunfähig werden. In diesem Fall haben die Beamten Anspruch auf sogenannte Beihilfe, also auf teilweise oder pauschale Erstattung von Krankheitskosten durch den Dienstherrn. Die Höhe der Erstattung variiert dabei in Abhängigkeit vom Dienstgrad beziehungsweise von der Stellung des Beamten. Auch wird sie in den einzelnen Bundesländern mit deutlichen Unterschieden geregelt; die Sätze schwanken zwischen 50 und 80 %. In bestimmten Berufsgruppen, beispielsweise bei der Polizei oder der Bundeswehr, bezeichnet man die Aufwendungen des Dienstherrn nicht als Beihilfe, sondern als freie Heilfürsorge.

Pflegeversicherung als Ergänzung zur Beihilfe

Das Alimentationsprinzip wirkt sich natürlich auch auf die Pflegeversicherung für Beamte aus. Auf der einen Seite greift die Beihilfe oder freie Heilfürsorge zu einem erheblichen Teil auch dann, wenn ein Beamter pflegebedürftig wird; doch die Aufwendungen, die im Pflegefall entstehen, werden dadurch je nach Bundesland nur zu 50 bis 80 % gedeckt. Deshalb ist jeder Beamte verpflichtet, die Versorgungslücke durch den Abschluss einer Pflegeversicherung für diejenigen Kosten zu decken, die über die Erstattungen der Beihilfe hinausgehen. Und weil nur private Kranken- und Pflegeversicherungen die auf Beamte zugeschnittenen beihilfekonformen Tarife bieten, ist es grundsätzlich eine private Pflegeversicherung, in die der Beamte einzutreten hat.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
 

Hier werden dem Beamten drei Varianten der Versicherung angeboten:

  • die Pflegekostenversicherung, die sich auf die jeweils anfallenden, durch die Vorlage von Rechnungen nachzuweisenden Kosten bezieht,
  • die Pflegetagegeldversicherung, die im Pflegefall auf der Basis eines festgesetzten Tagegeldes leistet,
  • die Pflegerentenversicherung, die in Abhängigkeit vom Pflegegrad als pauschale Monatsrente konzipiert ist.

Doch wofür sich der Beamte auch entscheidet, er kann davon ausgehen, dass die beihilfekonformen Tarife in jedem Fall sehr günstig sind, denn im Pflegefall müssen die daraus resultierenden Leistungen ja nur einen Teil der Kosten decken. Natürlich gibt es trotzdem Unterschiede zwischen den verschiedenen Pflegekassen, die der Beamte vergleichen sollte, bevor er eine Pflegeversicherung abschließt.

Aufteilung der Kosten zwischen Beihilfe und Pflegekasse

Zeichnet sich dann eines Tages eine Pflegebedürftigkeit ab, so muss der Antrag auf pflegerische Leistungen zunächst bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Die Einschätzung des Pflegebedarfs und die Festlegung eines Pflegegrades erfolgt bei den Beamten, wie bei allen privat Pflegeversicherten, durch die Medicproof GmbH, das Gegenstück des MDK im Bereich der privaten Kranken- und Pflegekassen. Die Kriterien, nach denen sich die Medicproof bei der Begutachtung von Pflegebedürftigen richtet, sind jedoch gesetzlich vorgeschrieben und unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denjenigen des MDK.

 
Pflegetagebuch Muster downloaden
 

Ist der Antrag des Beamten auf Pflege genehmigt und über den Pflegegrad entschieden, so tritt ein komplizierter Schlüssel in Kraft, nach dem die anfallenden Pflegekosten zwischen der Beihilfekasse und der Pflegeversicherung aufgeteilt werden. Dabei richtet sich der Anteil der Beihilfe in erster Linie nach dem festgesetzten Pflegegrad. Aber auch die Art der Pflege spielt eine Rolle: Wird die Pflege ambulant im eigenen Wohnumfeld des Pflegebedürftigen geleistet, gelten andere Aufteilungsregeln als bei einer stationären Betreuung im Pflegeheim. Dort sind nur die reinen Pflegekosten beihilfefähig, während die sogenannten Hotelkosten, also die Beträge für Unterkunft und Versorgung, in den meisten Bundesländern nicht im Rahmen der Beihilfe getragen werden. Bei der ambulanten Pflege wiederum spielen bei der Bemessung von Beihilfegrenzen die betreuenden Personen eine große Rolle: Ein professioneller Pflegedienst wird mit anderen Maßstäben gemessen als ein pflegender Angehöriger. Doch auch in diesem Punkt gibt es von Bundesland zu Bundesland stark abweichende Regelungen, so dass sich kaum pauschale Aussagen treffen lassen.

Zusatzversicherungen empfohlen

Beamte haben grundsätzlich die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis eine gesetzliche Pflegeversicherung abzuschließen. Auch hier müssen sie keine hohen Kosten befürchten: Sie zahlen nur 1,025 % ihres Einkommens. Die gesetzlichen Kassen sind auch im Hinblick auf bestimmte Zusatzversicherungen für Beamte interessant, denn angesichts der horrenden und beständig steigenden Kosten, die die Pflege in Deutschland verschlingt, wird der Abschluss solcher Zusatzversicherungen von Experten dringend empfohlen und von vielen Beamten gewünscht.

In Hamburg sollen ab 2018 die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen generell für Beamte geöffnet werden, und in mehreren anderen Bundesländern wird darüber nachgedacht, diesem Beispiel zu folgen und Beamten die Wahlfreiheit zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen zu gewähren. Auf diesem Sektor ist zurzeit einiges in Bewegung, was sich für diejenigen, die es angeht, zu verfolgen lohnt. Auch die 2017 in Kraft getretenen Regelungen des Pflegeneuausrichtungsgesetzes wirken sich auf die Pflegeversicherungen der Beamten bisher nur günstig aus, denn in vielen Fällen wird von den Dienstherren jetzt ein höherer Betreuungsbedarf gesehen, für den sie zusätzliche Beiträge bereitstellen. Es ist besser denn je dafür gesorgt, dass Beamte auch im Pflegefall nicht darben.

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