Ersatzpflege

Die Ersatzpflege wird auch als Verhinderungspflege bezeichnet und wird durchgeführt, wenn pflegende Angehörige verreist oder erkrankt sind und sich für einige Tage oder Wochen nicht um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern können.

Die meisten Pflegebedürftigen, die in Deutschland bei den Pflegeversicherungen als solche anerkannt sind und einen Pflegegrad besitzen, werden ambulant gepflegt. Das bedeutet, dass sie trotz ihrer Pflegebedürftigkeit weiterhin zu Hause, bei Verwandten oder in einer Pflege-WG leben und in einem sogenannten häuslichen Umfeld betreut werden. Durch den Pflegegrad, den die Pflegekasse mithilfe eines Gutachtens bestimmt hat, erhalten sie ein monatliches Pflegegeld, um einen pflegenden Angehörigen entschädigen zu können, oder sogenannte Pflegesachleistungen, die die Kosten für einen professionellen Pflegedienst bis zu einer bestimmten Höhe übernehmen.

Über diese monatlichen Grundleistungen, zu denen neben dem Pflegegeld und den Sachleistungen, die auch kombiniert eingesetzt werden können, auch kostenlose monatliche Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro zählen, haben anerkannt pflegebedürftige Versicherungsnehmer zudem Anspruch auf weitere Leistungen der Pflegeversicherung. Eine dieser Leistungen ist die sogenannte Verhinderungs- oder Ersatzpflege – sie wird von der Pflegekasse für einen bestimmten Zeitraum pro Jahr gewährt und ermöglicht pflegenden Angehörigen, in den Urlaub zu fahren, eine Geschäftsreise zu machen oder eine Krankheit behandeln zu lassen, während sie ihren pflegebedürftigen Angehörigen in guten Händen wissen.

Was ist Ersatzpflege und wer hat Anspruch darauf?

Die Ersatzpflege ist, so wie alle pflegebezogenen, gesetzlich festgelegten Regelungen, im Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) definiert. Nach der Pflegereform und den Pflegeneuausrichtungsgesetzen, die Anfang 2017 in Kraft getreten sind, sind hier der Begriff der Pflegebedürftigkeit, die Voraussetzungen für einen Pflegegrad und sämtliche Leistungen der Pflegeversicherung verankert. § 39 des SGB XI bestimmt die sogenannte Ersatzpflege als „häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“.

Pflegepersonen, die die Pflege eines pflegebedürftigen Versicherungsnehmers nicht berufstätig durchführen, also aus dem privaten Umfeld des Pflegebedürftigen kommen, haben häufig Schwierigkeiten damit, die Betreuung und Pflege zu organisieren, wenn sie selbst für ein paar Tage verhindert sind. Weil die häusliche Pflege hohe Anforderungen an die Pflegeperson stellt und diese in der Regel keinen freien Tag, sondern 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche für den Pflegebedürftigen verantwortlich ist, hat die Gesetzgebung eine Leistung der Pflegeversicherung ins Leben gerufen, die sich Ersatzpflege nennt: Benötigt eine Pflegeperson eine Auszeit, muss sie nicht im privaten Umfeld nach einem unbezahlten Ersatz suchen, sondern kann diese finanziell entschädigen oder einen Pflegedienst beauftragen, eine Unterbringung in einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung organisieren und die Kosten über die Pflegeversicherung abrechnen.

Die Gründe, weshalb eine Pflegeperson die Ersatzpflege in Anspruch nehmen möchte, sind letztlich irrelevant, zumindest aus Sicht der Pflegeversicherung: Ursache für die Ersatzpflege kann ein privater Urlaub sein, eine Krankheit oder eine beruflich bedingte Abwesenheit, die es der Pflegeperson für einige Tage nicht möglich macht, sich um ihren pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern.

Wie hoch sind die Leistungen der Ersatzpflege?

Die Leistungen, die im Rahmen der Verhinderungspflege gezahlt werden, sind sowohl in der Höhe als auch im Zeitraum beschränkt. Pro Jahr können pflegende Angehörige die Ersatzpflege für bis zu 42 Kalendertage in Anspruch nehmen. Um die Pflege während ihrer Abwesenheit sicherzustellen, erhalten Pflegepersonen während der Ersatzpflege im Jahr bis zu 1.612 Euro, die für Aufwendungen vorgesehen sind, mit denen die Pflege im Zeitraum der Abwesenheit sichergestellt wird.

Für bis zu vier Wochen pro Jahr erhalten die Pflegebedürftigen während einer Ersatzpflege zudem ein anteiliges Pflegegeld, das für diesen Zeitraum in Höhe der Hälfte des zuvor gezahlten Pflegegelds gezahlt wird. Werden die Leistungen der Kurzzeitpflege, einer anderen Zusatzleistung in der Pflege, im betreffenden Jahr nicht ausgeschöpft, kann eine Pflegeperson bei Verhinderungen, die über die festgelegten 42 Tage hinaus gehen, auf Mittel aus der Kurzzeitpflege zurückgreifen: Bis zu 50 % der Kurzzeitpflegeleistungen, d. h. bis zu 806 Euro, können auf diese Weise zusätzlich für die Ersatzpflege in Anspruch genommen werden.

Welche Kosten werden übernommen und wie werden diese nachgewiesen?

Die Pflegeperson, die sich im normalen Alltag um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert, darf selbst bestimmen, wer im Falle einer Verhinderung die Ersatzpflege übernimmt. Es muss kein ambulanter Pflegedienst sein, sondern kann ein weiterer Angehöriger oder ein Bekannter sein, doch natürlich können die Mittel der Pflegekasse auch für eine professionelle Pflegekraft eingesetzt werden. Zu den Aufwendungen, die im Rahmen der Ersatzpflege erstattet werden, gehören u. a. Fahrtkosten oder der Verdienstausfall einer nicht professionellen Pflegeperson sowie die Kosten für einen gewerblichen Pflegedienst. Die Pflegeversicherung erkennt die Aufwendungen als nachgewiesen an, wenn eine Quittung oder ein Nachweis vorgelegt wird, die bzw. der die Aufwendung belegt.

Wann ist der Anspruch auf Ersatzpflege ausgeschöpft?

Für die Pflegeversicherung sind der Zeitraum und Leistungsbetrag, die pro Jahr für die Ersatzpflege angesetzt sind, maßgeblich, wenn es um die Auszahlung von Leistungen geht. Hat eine Pflegeperson beispielsweise die gesamten 42 Kalendertage, die pro Jahr gewährt werden, bereits in Anspruch genommen, aber noch nicht den Höchstbetrag von 1.612 Euro erreicht, gilt die Verhinderungspflege dennoch für das betreffende Jahr als ausgeschöpft. Umgekehrt ist der Anspruch auch dann abgegolten, wenn der gesamte Betrag an die Pflegeperson ausgezahlt wurde, die Ersatzpflege aber noch keine 42 Tage umfasst. Für die Pflegeversicherung ist einer der beiden Faktoren ausreichend, um den Anspruch als ausgeschöpft zu klassifizieren.

Wird Ersatzpflege in Anspruch genommen, ist zu beachten, dass für die Pflegeversicherung lediglich die Anzahl der Kalendertage, die von der Verhinderungspflege betroffen sind, relevant ist. Die Anzahl der Stunden und die Höhe der Kosten an einem Ersatzpflegetag spielen insofern keine Rolle, als auch ein halber Pflegetag als ganzer Kalendertag gewertet wird.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Ersatzpflege zu erhalten?

Die Ersatzpflege kann erst dann bei der Pflegeversicherung beantragt werden, wenn die betreffende Pflegeperson (oder mehrere Pflegepersonen) einen pflegebedürftigen Angehörigen im häuslichen Umfeld bereits mindestens sechs Monate lang gepflegt haben. Kommt es während der ersten sechs Monate der Pflege zu einer Verhinderung, müssen die Pflegepersonen diese im privaten Umfeld regeln und können keine zusätzlichen Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen.

Auch die Wahl der Ersatz-Pflegeperson sollte bedacht werden, wenn man den gesamten Betrag der Verhinderungspflege in Anspruch nehmen möchte. Unproblematisch ist, die Pflege einem gewerblichen Pflegedienst zu überlassen – in diesem Fall kann der Höchstbetrag von 1.612 Euro ausgeschöpft werden. Problematisch kann allerdings die Beauftragung von Privatpersonen aus dem familiären Umfeld sein – Personen, die bis zum 2. Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sind, sowie Personen, die im selben Haushalt wie der Pflegebedürftige leben, werden von den Richtlinien der Verhinderungspflege nicht erfasst oder erhalten nur einen anteiligen Betrag. In diesem Fall kann es die bessere Lösung sein, das monatliche Pflegegeld in Anspruch zu nehmen.