Pflegegrade beantragen

Seit dem 1. Januar 2017 gelten fünf neue Pflegegrade anstelle der alten Pflegestufen. Ein Antrag bei der Pflegeversicherung ermöglicht pflegebedürftigen Versicherungsnehmern den Zugang zu Versicherungsleistungen.

Die Soziale Pflegeversicherung, die seit 1995 pflegebedürftigen Versicherungsnehmers staatliche Leistungen und finanzielle Unterstützung zugänglich macht, vergibt seit 2017 nach einem neuen System von Pflegegraden Pflegegelder und Pflegesachleistungen an pflegebedürftige Personen. Um finanzielle Unterstützung oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, müssen Pflegebedürftige jedoch zunächst einen Antrag bei der zuständigen Pflegeversicherung stellen.

Die fünf neuen Pflegegrade ersetzen im Zuge des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes, das zum Jahreswechsel in Kraft getreten ist, die drei bzw. vier Pflegestufen, die bis dahin galten. Die Form des Antrags auf einen Pflegegrad bleibt zwar gleich der Antragstellung auf eine Pflegestufe, allerdings verändern sich mit der Umstellung die Voraussetzungen für die Erteilung eines Pflegegrads sowie das Begutachtungsverfahren, in dem der Grad der Pflegebedürftigkeit ermittelt wird.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Um eine Pflegestufe zu erhalten, war der tägliche Zeitaufwand, der für die Pflege eingerechnet werden musste, ausschlaggebend. Die Grundlage für einen der neuen Pflegegrade aber bildet der neue, im Zuge der Pflegestärkungsgesetze definierte, Begriff der Pflegebedürftigkeit. Das Elfte Sozialgesetzbuch definiert genau, wann eine Person als pflegebedürftig eingestuft wird und welche Voraussetzungen sie erfüllen muss, um einen Pflegegrad zugesprochen zu bekommen.

Der alte Begriff der Pflegebedürftigkeit wurde als nicht mehr zeitgemäß erachtet: Der Hauptgrund liegt darin, dass bis Ende 2016 ausschließlich körperliche Beeinträchtigungen für die Bewilligung einer Pflegestufe in Betracht gezogen wurden, kognitive Einschränkungen dagegen keinen oder kaum Eingang in das Begutachtungsverfahren fanden. Menschen mit Demenz wurden daher in vielen Fällen von den Pflegeversicherungen abgelehnt oder erhielten eine zu niedrige Einstufung, die ihrer gesundheitlichen Verfassung nicht gerecht wurde. Der neue Begriff der Pflegebedürftigkeit umfasst deshalb seit 2017 sowohl körperliche als auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen.

Was muss beachtet werden, wenn ein Pflegegrad beantragt wird?

Welcher Pflegegrad für eine pflegebedürftige Person in Frage kommt, ermittelt nicht der Pflegebedürftige selbst, sondern die Pflegeversicherung. Hierzu beauftragt sie den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), ein Gutachten über die Pflegebedürftigkeit eines Versicherungsnehmers zu erstellen.

Bevor dies geschehen kann, muss die Pflegeversicherung zunächst einmal über den Wunsch einer pflegebedürftigen Person, Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten, informiert werden. Mithilfe eines formlosen Antrags kann der Pflegebedürftige bei der Pflegeversicherung seinen Wunsch auf Begutachtung und Einstufung in einen Pflegegrad kundtun. Dieser Antrag ist in der Regel zunächst an die Krankenkasse des Versicherungsnehmers zu richten, die mit der zuständigen Pflegekasse zusammenarbeitet und den Antrag an diese weiterleitet. Ob der Pflegebedürftige gesetzlich oder privat versichert ist, ist dabei zweitrangig. Sowohl gesetzliche als auch private Pflegeversicherungen arbeiten mit externen Gutachtern zusammen, die jeden Antragsteller im Rahmen des sogenannten „Neuen Begutachtungsassessments“ (NBA) auf ihre noch verbleibende Selbstständigkeit überprüfen.

Der Antrag muss vom Pflegebedürftigen selbst gestellt werden. Weil er derjenige ist, der im Endeffekt die Pflegeleistungen erhält, muss er auch den Antrag stellen bzw. diesen unterzeichnen. Ist er körperlich oder geistig nicht mehr dazu in der Lage, kann eine vertretungsberechtigte Person mit einer Vollmacht den Antrag im Namen der pflegebedürftigen Person stellen. Es genügt, im Antragsschreiben um die Einstufung in einen Pflegegrad zu bitten. Über die Situation des Pflegebedürftigen muss hier noch nicht berichtet werden. Wird der Antrag telefonisch gestellt, schicken viele Krankenkassen ein Formular an den Antragsteller, das dieser mit den wichtigsten Informationen ausfüllen muss – auch hier raten wir davon ab, zu sehr ins Detail über die Pflegesituation zu gehen.

Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Nachdem der Antrag auf einen Pflegegrad bei der Pflegeversicherung eingegangen ist, erhält der Antragsteller einen Termin, an dem ein Gutachter des MDK oder einer anderen Organisation ein persönliches Gutachten über die Pflegebedürftigkeit des Versicherungsnehmers erstellt. Um sich auf den Termin vorzubereiten, kann zunächst der ungefähre Pflegegrad errechnet werden. Online finden Sie sogenannte Pflegegradrechner, die anhand Ihrer Angaben über die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen ausrechnen, welcher Pflegegrad voraussichtlich vergeben wird, wobei das Ergebnis jedoch keine Garantie über den tatsächlichen Pflegegrad geben kann. Um dem Gutachter ein möglichst detailliertes Bild der Pflege präsentieren zu können, sollten Sie zudem ein ausführliches Pflegetagebuch führen.