Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Inkontinenz

Inkontinenz ist für die Betroffenen oft mit Scham verbunden. Ein sensibler Umgang mit dieser Thematik in der Pflege ist deswegen besonders wichtig.

Inkontinenz ist ein Tabuthema der Gesellschaft. Wer unter Blasenschwäche oder Stuhlinkontinenz leidet, hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Thematik ist vielen Betroffenen äußerst peinlich und unangenehm, sodass das Problem oft unter den Teppich gekehrt wird.

Wichtig ist aber: Die Krankheit kann vielfältige Ursachen haben, muskuläre, nervliche oder organische Aspekte spielen eine Rolle. Und: Sie kann behandelt werden. Niemals hat die Inkontinenz etwas mit der jeweiligen Persönlichkeit zu tun.

Die Inkontinenz ist nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die pflegenden Personen unangenehm. Da es sich um ein äußerst persönliches Thema handelt, ist eine offene Kommunikation darüber für beide Seiten herausfordernd. Wer einfühlend und mit Taktgefühl an die Sache herangeht, trägt dazu bei, der Situation die Brisanz oder Peinlichkeit zu nehmen und hilft beim täglichen Umgang.

Wer an Inkontinenz leidet, kann mit einfachen Hilfsmitteln und medizinischer Therapie einen weitgehend normalen Alltag führen. Pflegende Angehörige oder professionelles Pflegepersonal sollten Kenntnisse darüber haben, dass die Hautpflege bei dieser Erkrankung besonders wichtig ist.

Inkontinenz – Informationen zur Krankheit

Der Gang zur Toilette gehört zum Alltag dazu und ist für gesunde Menschen völlig normal. Wer „muss“, geht zur Toilette und verschwendet keine weiteren Gedanken daran. Ganz anders stellt sich die Situation bei Inkontinenz dar, wenn Harn- oder Stuhlgang nicht mehr gesteuert und kontrolliert werden können. Es wird zwischen Harn- und Stuhlinkontinenz, hier lautet der medizinische Fachbegriff „anorektale Inkontinenz“, unterschieden. Von Blasenschwäche sind vor allem ältere Menschen betroffen, Stuhlinkontinenz tritt seltener auf. Nächtliche Unruhe, Schmerzen in der Blase oder ständiger Harndrang sind die Folge.

Die Ursachen für eine Inkontinenz sind vielfältig, zumeist ist das komplexe System zwischen Blasenmuskulatur, Beckenbodenmuskulatur und Schließmuskeln gestört oder gar nicht mehr funktionell. Organische Ursachen oder eine Störung der Signalübertragung zwischen den Nervenbahnen können zum Beispiel der Grund hierfür sein.

Inkontinenz-Betroffenen ist es oft peinlich, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Harn und Stuhl zu kontrollieren. Deswegen verschweigen sie ihr Problem vor ihren Angehörigen, aber auch vor dem medizinischen Fachpersonal. Da aber geeignete Therapien die Krankheit positiv beeinflussen können, ist der Gang zum Arzt wichtig. Beckenbodentraining oder Elektrotherapie können helfen, Muskulatur aufzubauen oder die Beckenmuskeln durch schmerzfreie elektrische Impulse zu stimulieren.

Inkontinenz und Pflegebedürftigkeit

Das Thema der Inkontinenz sollte nicht stigmatisiert werden. Es ist wichtig, einen normalen und schambefreiten Umgang mit der Krankheit zu finden, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. Wenn Kommunikation möglich ist, haben Angehörige und Pflegepersonal schon vieles richtig gemacht. Mit Taktgefühl und Sensibilität kann Inkontinenz zu einem normalen Thema des Alltags werden, für das sich die Betroffenen nicht schämen.

Therapeutische Maßnahmen und Pflegehilfsmittel können auch bei der Bewältigung des Alltags eine Unterstützung sein. Feste Zeiten für den Toilettengang, angepasste Trinkmengen, passende Getränke oder regelmäßiges Beckenbodentraining verbessern die Situation. Auch Medikamente können helfen, den Harndrang zu verringern. Pflegehilfsmittel, dazu zählen Windeln für Erwachsene, Einmalwäsche mit Vorlage oder Inkontinenzslips, und frische Unterwäsche sollten immer griffbereit liegen. Auch saugfähige Unterlagen zwischen Matratze und Laken können nachts nützlich sein.

Haut- und Körperpflege bei Inkontinenz

Inkontinenz-Patienten haben eine besonders sensibel reagierende Haut, die anfällig ist für Irritationen, zum Beispiel Rötungen. Ursachen können die regelmäßige Feuchtigkeit sein, der Einsatz von Erwachsenen-Windeln oder Inkontinenzslips, die die Hautbarriere stören, oder unpassende Wasch- oder Pflegemittel. Wenn die Haut ihren natürlichen Schutz verliert, ist sie anfällig.

Körperpflege und regelmäßiges Waschen sind bei Inkontinenz äußerst wichtig und sollten zwei Mal am Tag, am Morgen und am Abend, erfolgen. Hautstellen, die mit Harn oder Kot in Berührung gekommen sind, sollten mehrmals täglich mit Wasser gereinigt werden. Ph-neutrale Waschlotionen, Öle, Emulsionen oder ein Pflegeschaum sind hilfreiche Mittel, um die Haut nicht zusätzlich zu belasten. Sowohl beim Waschen als auch beim Abtrocknen sollte vorsichtig vorgegangen werden – Rubbeln oder Reiben sollte vermieden werden. Cremes, Lotions oder schnell einziehen Wasser-in-Öl-Emulsionen können den Schutz der Haut unterstützen, ohne die Saugfähigkeit der verwendeten Einlagen oder Slips zu beeinträchtigen.

Hilfreiche Maßnahmen in der Inkontinenz-Pflege

Der Toilettengang sollte in der Pflegesituation vereinfacht werden, um die Inkontinenz-Patienten nicht weiter zu belasten. Einfach zu öffnende Kleidungsstücke, ein Toilettenstuhl, der sich schnell erreichen lässt, können helfen, ein Unglück zu umgehen.

Sind die Pflegebedürftigen nicht mehr mobil, sind andere Hilfsmittel gefragt. Kondom-Urinale für Männer, ein Katheter oder ein Urostoma, das dafür sorgt, dass die Harnflüssigkeit abfließt, schaffen Abhilfe.

Inkontinenz und Pflegestufe bzw. Pflegegrad

Wie bei jeder anderen Krankheit auch richtet sich die Frage nach einem Pflegegrad nach dem Grad der Selbstständigkeit der Betroffenen. Wie stark sind die Patienten durch ihre Inkontinenz im Alltag eingeschränkt? Kommen andere Krankheiten, zum Beispiel die Demenzerkrankung Alzheimer, Prostatakrebs oder Niereninsuffizienz, hinzu, ist es wahrscheinlich, dass ein Pflegegrad erteilt wird. Inkontinenz geht vielfach mit anderen Erkrankungen oder einem schlechteren, altersbedingten Allgemeinzustand einher. Ist ein Pflegegrad vorhanden, kann die Inkontinenz durch den vermehrten Betreuungsbedarf zu einer Erhöhung der Pflegeleistungen führen.

 
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