Pflegetagebuch

Um einen Pflegegrad zu erhalten, muss der Pflegeaufwand vor der Pflegeversicherung gerechtfertigt werden. In einem Pflegetagebuch können Sie festhalten, welche Pflegehandlungen wie oft am Tag vorgenommen werden.

Bevor eine pflegebedürftige Person einen Pflegegrad und damit auch finanzielle Leistungen der Pflegeversicherung zugesprochen bekommt, muss zunächst einmal nachgewiesen werden, dass tatsächlich ein Pflegebedarf im Sinne einer Pflegebedürftigkeit besteht. Zu diesem Zweck beauftragt die Pflegeversicherung ein Gutachten über den pflegebedürftigen Versicherungsnehmer, das von einem Vertreter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) oder einer privaten Organisation, die zur Erstellung von Pflegegutachten zugelassen ist, durchgeführt wird.

Dieses Gutachten bildet die Grundlage für die Entscheidung der Pflegeversicherung, einem Versicherungsnehmer einen Pflegegrad zu bewilligen. Aber nicht nur die grundsätzliche Erteilung eines Pflegegrads, auch die Höhe der Pflegebedürftigkeit wird anhand des Gutachtens bemessen. Für einen pflegebedürftigen Versicherungsnehmer kann die Einteilung in einen bestimmten Pflegegrad einen großen Unterschied machen: Je höher nämlich der Pflegegrad, desto höher fallen auch die Leistungen der Pflegekasse aus, die monatlich bzw. jährlich in Anspruch genommen werden können. Für jeden Pflegebedürftigen ist es deshalb von besonderer Wichtigkeit, dass das Gutachten ein realistisches Bild der Pflegesituation zeichnet – ein Pflegetagebuch ist ein ideales Hilfsmittel, um den täglichen Pflegeaufwand realistisch einzuschätzen und für den Gutachter aufzubereiten.

Was ist ein Pflegetagebuch?

Als Pflegetagebuch bezeichnet man ein Dokument, das für den Nachweis von pflegerischen Handlungen und Tätigkeiten zum Einsatz kommt. Es kann dazu dienen, zunächst eine eigene Einschätzung des Pflegeaufwands für einen pflegebedürftigen Angehörigen vorzunehmen, aber auch eine Grundlage für das Pflegegutachten des MDK darstellen. Hier kann eine private Pflegeperson, d. h. ein Angehöriger, Freund oder Bekannter, der die Pflege und Betreuung einer pflegebedürftigen Person sicherstellt, eintragen, bei welchen Verrichtungen er dem Pflegebedürftigen am Tag hilft, wie umfangreich die Hilfestellung ist und wie lange der jeweilige Vorgang dauert. Vor allem in den Bereichen der Mobilität, der Körperpflege und der Ernährung lässt sich mit einem Pflegetagebuch eine sehr genaue Dokumentation des Pflegeaufwands erstellen.

Darüber hinaus bietet ein Pflegetagebuch auch Platz für Aufzeichnungen, die den geistigen und psychischen Zustand der pflegebedürftigen Person darstellen. Hat diese beispielsweise kognitive Ausfälle aufgrund einer Demenzerkrankung oder gibt es andere psychische oder kognitive Auffälligkeiten, sollten diese auf jeden Fall notiert werden, da auch der kognitive Zustand der pflegebedürftigen Person in die Begutachtung des MDK mit einfließt.

Welchen Einfluss hat das Pflegetagebuch auf das MDK-Gutachten?

Die Erstellung des Pflegegutachtens folgt bestimmten Voraussetzungen, die gesetzlich festgelegt sind. Das Elfte Sozialgesetzbuch (SGB XI) regelt, unter welchen Umständen ein
pflegebedürftiger Versicherungsnehmer einen Pflegegrad und die daran geknüpften Pflegeleistungen erhält. Um die individuelle Pflegebedürftigkeit nach einem genormten System zu ermitteln, wurde im Rahmen der Pflegereform, zu der auch die sogenannten Pflegestärkungsgesetze gehören, ein neues Verfahren entwickelt, unter dessen Vorgaben ein Pflegegutachten erstellt werden muss.
Bezeichnet wird das Verfahren als „Neues Begutachtungsassessment“ (NBA). Es legt fest, dass jeder Versicherungsnehmer, der bei der Pflegeversicherung einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt hat, in insgesamt sechs Kategorien in seiner Selbstständigkeit überprüft und begutachtet wird. Wird das Pflegetagebuch, das im Idealfall denselben sechs Kategorien folgt wie die Begutachtung selbst, korrekt und realistisch geführt, kann es deshalb einen entscheidenden Beitrag zur Bewilligung des richtigen Pflegegrads leisten.

Folgende sechs Kategorien werden im Neuen Begutachtungsassessment überprüft:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung und Alltagsverrichtung
  • Selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Je genauer das Pflegetagebuch geführt wird und auf die einzelnen Kriterien des NBA eingeht, umso besser kann der MDK-Gutachter ein Bild der pflegebedürftigen Person zeichnen. Es kann ein wichtiges Hilfsmittel zur Beurteilung der Selbstständigkeit darstellen, denn der Besuch des Gutachters stellt letztendlich nur eine Momentaufnahme dar, in der der Gutachter den Pflegebedürftigen in seinem gewohnten Umfeld erlebt, am Alltag aber nimmt er nicht teil.