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Die Pflegeplanung2018-05-24T20:36:29+00:00

In den letzten Jahren hat sich die Pflegeplanung zu einem wichtigen Instrument der professionellen Pflege entwickelt. Durch das Setzen von Pflegezielen wird der Alltag eines Pflegebedürftigen nicht nur besser strukturiert, er gewinnt auch an Menschlichkeit und individueller Zuwendung. Kein Pflegefall kann so hoffnungslos sein, als dass sich nicht zumindest in kleinen Punkten noch Verbesserungen finden ließen.

Viele Menschen zucken erst mal die Achseln, wenn man sie auf eine Pflegeplanung für ihre Angehörigen hinweist. Was gibt es bei der Pflege eines alten Menschen noch groß zu planen? In den meisten Fällen ist der Pflegebedürftige dauerhaft krank. Es ist absehbar, dass auch die beste Pflege nicht zur Genesung führen kann, dass am Ende nur der Tod steht. Wozu also noch groß planen und Pflegeziele setzen? Hauptsache, der Kranke wird regelmäßig versorgt, ernährt und vor Schmerzen bewahrt.

Doch wer so denkt, neigt leicht zu einer Verallgemeinerung aller Pflegefälle und damit zu Routine und Gleichgültigkeit. Natürlich haben auch alte, kranke Menschen noch Gefühle, Wünsche und Hoffnungen, die man in die Pflege einbeziehen muss, und das geschieht über die Pflegeplanung. Sie bringt Individualität und Zuwendung in den Pflegealltag – sie gibt den pflegerischen Prozessen eine Struktur und ein konkretes Ziel, das nicht nur dem Wohl des jeweils Kranken dient, sondern auch der Motivation seines Pflegers.

 
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Sinnvolle Pflegeziele setzen

Die Pflegeplanung ist ein Instrument der professionellen Altenpflege und wird in erster Linie von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten angewandt. Doch zunehmend sind auch die Angehörigen aktiv daran beteiligt. Gleich beim ersten Schritt der Pflegeplanung können sie eine wichtige Hilfe sein: wenn es nämlich darum geht, Informationen über den Pflegebedürftigen zu gewinnen. Die physischen Gebrechen, an denen er leidet, sind zum Zeitpunkt der Aufnahme in der jeweiligen Pflegeeinrichtung meist schon hinreichend dokumentiert. Aber was ist das für ein Mensch, dem die künftige Pflege gelten soll? Wie ist seine Vorgeschichte, seine Lebenssituation? Was hat er für Gewohnheiten, was für Vorlieben, was für besondere Stärken oder Schwächen? Und vor allem: Was kann man tun, um seine Lebensqualität zu heben? Bei jedem Kranken, mag sein Zustand noch so desolat sein, gibt es Punkte, in denen man verbessern, erleichtern, erfreuen kann. Diese Punkte müssen durch ausführliche Gespräche mit ihm selbst bzw. mit seinen Angehörigen herausgefunden werden. Dort kann man ansetzen, um der Pflege ein realistisches Ziel zu geben.

Beispiel Ernährung: Vielen alten Menschen fehlt das natürliche Hungergefühl, was dazu führt, dass sie zuwenig essen und trinken. Wird bei der Aufnahme eines Pflegebedürftigen ein Untergewicht oder eine Dehydrierung festgestellt, so steht das vorrangige Pflegeziel schon fest: Der Pflegebedürftige muss unbedingt zunehmen, denn der Zustand der Unterernährung ist auf die Dauer lebensbedrohlich. Die Umsetzung dieses Pflegeziels jedoch ist nicht nur eine ernährungstechnische, sondern auch eine psychologische Frage, denn wer keine Lust zum Essen hat, darf natürlich nicht dazu gezwungen werden. Hier sind Strategie und Einfühlungsvermögen gefragt: Man muss die Lust zum Essen wecken, etwa durch die Zubereitung von Lieblingsspeisen, durch Belohnung von Gewichtszunahmen oder durch kleine Snacks zwischendurch.

Individuelle Beschäftigungen finden

In anderen Fällen ist es der Geist, der Nahrung braucht: Wenn ein Mensch etwa sein Leben lang mit Vorliebe Bücher gelesen hat und im Alter, vielleicht aufgrund einer Augenschwäche, dazu nicht mehr in der Lage ist, leidet er Gram und Langeweile. Auch hier kann sich ein lohnendes Pflegeziel bieten: Bücher müssen heutzutage nicht mehr in Druckform gelesen werden. Es gibt Hörbücher, Hörspiele oder auch ebooks, deren Schrift man groß einstellen kann. Natürlich sind alle diese Medien im höchsten Grade fremd und gewöhnungsbedürftig für eine Generation, die von Jugend auf nur gedruckte Bücher kannte. Doch mit geduldiger Anleitung lässt sich manches Vorurteil überwinden. Gerade die Gebildeten unter den Senioren stehen den neuen technischen Möglichkeiten aufgeschlossener gegenüber, als mancher glaubt.

Die Apathie und Altersdepression, die so häufig mit dem nahenden Ende und dem körperlichen Verfall einhergeht, ist wohl das größte Problem, wenn man eine Pflege planen und sinnvoll strukturieren will. Deshalb wird in der Pflegeplanung größter Wert auf Faktoren wie Mobilität und Beschäftigung gelegt. Natürlich ist es schwer, bisweilen auch unmöglich, einen Menschen zu motivieren, der tagtäglich mit Schmerzen und Behinderungen kämpft. Wenn es aber gelingt, das Interesse eines Pflegebedürftigen zu wecken, ihm eine Aufgabe zu geben, die ihm zusagt, wird er seine Situation viel leichter ertragen.

Modelle der Pflegeplanung nutzen

In den letzten Jahrzehnten hat die Pflegewissenschaft verschiedene Muster und Ansätze entwickelt, wie eine Pflegeplanung abzulaufen hat. Man unterscheidet die „didaktischen“ von den „praktischen“ Pflegeplänen, man definiert verschiedene Phasen der Pflegeplanung von der Informationsgewinnung über das Erarbeiten von Pflegezielen und Maßnahmen, mit denen sie erreicht werden können, bis hin zur Durchführung dieser Maßnahmen und der Auswertung ihrer Ergebnisse. In Deutschland hat sich das sogenannte Sechs-Phasen-Modell nach Fiechter/Meier durchgesetzt. Aber auch die Pflegeplanung nach dem Muster von Monika Krohwinkel wird zunehmend häufig eingesetzt. Dabei wird die Pflegeplanung anhand der Bereiche strukturiert, in denen sie angewandt werden soll: Die Palette umfasst neben der Ernährung, der Körperpflege und dem Schlaf-Wach-Rhythmus auch Faktoren wie Beschäftigung, Kommunikation oder Sinngebung.

Besonders diese letztgenannten Faktoren bilden in allen genannten Modellen den eigentlichen Kern der Pflegeplanung und tragen entscheidend dazu bei, der letzten Phase des Lebens Würde zu geben.

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