Pflegegrad 3

Für pflege- und hilfsbedürftige Menschen ist mit dem 01.01.2017 ein neues Zeitalter angebrochen, denn das deutsche Pflegesystem wurde reformiert. Seit Anfang des Jahres 2017 können nun auch Menschen, die als geringfügig pflegebedürftig gelten, Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Ebenso wurde im Zuge der Pflegereform die Stellung von Demenzkranken deutlich verbessert. Diese erhalten mehr Geld und können nun besser betreut werden. Die wichtigste Neuerung des deutschen Pflegesystems ist die Abschaffung der Pflegestufen 1, 2 und 3. Diese wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt.

Um in einen Pflegegrad eingestuft zu werden, müssen Betroffene oder Angehörige einen Antrag auf Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse stellen. Ist dieser bei der Pflegekasse eingegangen, wird ein Gutachten erstellt. Im Rahmen des sogenannten „Neuen Begutachtungsassessments“, kurz NBA, werden sechs Lebensbereiche von Gutachtern überprüft. Bei diesen Bereichen handelt es sich um:

  • die Mobilität
  • die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten
  • auffällige Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • die Selbstversorgung
  • der Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie Belastungen
  • die Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte
  • Im Zuge der Begutachtung dieser verschiedenen Lebensbereiche vergeben Gutachter Punkte. Die Anzahl dieser hängt von der Schwere der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit im jeweiligen Bereich ab. Außerdem sind die einzelnen Bereiche unterschiedlich prozentual gewichtet.

    Werden von den Gutachtern zwischen 47,5 und unter 70 Punkten vergeben, wird der Antragsteller in den Pflegegrad 3 eingestuft und hat Anspruch auf verschiedene Leistungen. Diese Leistungen müssen dem Pflegegrad 3, der als eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit definiert wird, entsprechen.

    Hinweis: Einen Antrag auf Pflegeleistungen müssen nur neue Antragsteller stellen. Alle anderen, denen bereits im Jahr 2016 eine Pflegestufe bewilligt wurde, werden automatisch in den entsprechenden Pflegegrad überführt. Darüber hinaus genießen sie Bestandsschutz. Das bedeutet, dass sie dieselben Leistungen erhalten und nicht schlechter gestellt werden können. Anders verhält es sich jedoch, wenn ein bereits anerkannter Pflegegrad überprüfen werden soll. Hat sich die Situation eines Pflegebedürftigen verschlechtert, muss ein neuer Antrag gestellt werden.

    Kriterien und Voraussetzungen für den Pflegegrad 3

    Der Pflegegrad 3 wird durch ein verändertes Prüfverfahren vermittelt. Dieses nennt sich „Neues Begutachtungsassessment“ oder kurz NBA. Wird bei diesem eine Punktzahl zwischen
    47,5 und weniger als 70 Punkten erreicht, entspricht dies dem Pflegegrad 3. Dieser ist als eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit definiert.

    Verantwortlich für die Durchführung des neuen Prüfverfahrens NBA ist nach Antragsstellung bei gesetzlich Versicherten ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Bei Privatversicherten ist die MEDICPROOF zuständig. Um ein Gutachten zu erstellen und die Schwere der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit zu ermitteln, überprüfen die Gutachter verschiedene Lebensbereiche. Dabei werden Punkte vergeben, wobei die einzelnen Bereiche prozentual unterschiedlich gewichtet sind.

    Mobilität

    Mit 10 Prozent geht die Mobilität in die Berechnung des Pflegegrades ein. Dabei wird durch den Gutachter geklärt, ob Antragsteller sich in ihrem Wohnbereich selbstständig bewegen können und Probleme beim Sitzen sowie Treppensteigen haben.

    Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

    Mit 7,5 Prozent werden die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten berücksichtigt. Um festzustellen, ob diese bei Antragsstellern beeinträchtigt sind, müssen Gutachter feststellen, ob Probleme mit der örtlichen und zeitlichen Orientierung vorliegen. Zum anderen muss die Frage geklärt werden, ob Betroffene Entscheidungen im Alltag treffen und Sachverhalte nachvollziehen können. Des Weiteren müssen die Gutachter hinterfragen, ob die Antragsteller Risiken und Gefahren erkennen und sich an einem Gespräch beteiligen können.

    Verhaltensweisen und physische Problemlagen

    Liegt selbstschädigendes Verhalten vor, muss dies vom Gutachter festgestellt werden. Auch wenn der Antragssteller zu aggressivem Verhalten gegenüber anderen Personen neigen, muss dies notiert werden. Außerdem muss geklärt werden, ob Betroffene unter Wahnvorstellungen, Ängsten, Antriebslosigkeit oder Depressionen leiden. Dieser Bereich fließt mit 7,5 Prozent in die Berechnung des Pflegegrades ein.

    Selbstversorgung

    Der Bereich Selbstversorgung schlägt bei der Ermittlung des Pflegerades mit 40 Prozent zu Buche.
    Dabei muss zum einen die Frage der Körperpflege geklärt werden. Gutachter haben also die Aufgabe, zu prüfen, ob Antragsteller sich selbstständig waschen, kämmen und kleiden können. Zum anderen wird in diesem Bereich die Ernährung betrachtet. Dazu gehört, ob Antragsteller sich selbstständig versorgen können oder Probleme bei der Nahrungsaufnahme haben. Auch müssen Gutachter in Erfahrung bringen, ob vielleicht Probleme mit der Ausscheidung bestehen.

    Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

    Dieser Bereich fließt mit 20 Prozent in die Berechnung des Pflegegrades ein. Für Gutachter gilt es, zu klären, ob Antragsteller mit ihren Krankheiten und Erkrankungen umzugehen wissen. Dafür ist entscheidend, ob sie selbstständig an die Einnahme von Tabletten denken und Wunden selbst versorgen können. Außerdem müssen Gutachter herausfinden, ob die Antragsteller dazu in der Lage sind, Arzttermine allein wahrzunehmen und an Therapien teilzunehmen.

    Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte

    Im letzten und sechsten Bereich widmen sich die Gutachter der Gestaltung des Alltagslebens und den sozialen Kontakten. Dabei müssen sie erfassen, ob Antragsteller ihren Tagesablauf selbst gestalten und in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen können. Ebenso wird die Frage geklärt, ob die Antragssteller zu Interaktionen mit Personen im direkten Umfeld und zur Kontaktpflege mit Personen außerhalb des direkten Umfeldes fähig sind. Dieser Bereich wird bei der Berechnung des Pflegegrades mit 15 Prozent berücksichtigt.

    Leistungen beim Pflegegrad 3

    Bei Antragstellern, die den Pflegegrad 3 erhalten, liegt eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vor. Dementsprechend haben sie Anspruch auf verschiedene Leistungen. Zu diesen gehören unter anderem:

    • Pflegegeld von 545 Euro pro Monat
    • Pflegesachleistungen von 1.298 Euro pro Monat
    • Betreuungs- und Entlastungsleistungen von 125 Euro pro Monat
    • Kurzzeitpflege von maximal 1.612 Euro für bis zu 28 Tage im Jahr
    • Verhinderungspflege von maximal 1.612 Euro für bis zu vier Wochen im Jahr
    • Tages- und Nachtpflege von 1.298 Euro pro Monat

    Pflegegeld

    Pflegegeld erhalten Pflegebedürftige dann, wenn sie zu Hause von Angehörigen oder Freunden gepflegt werden. Das Pflegegeld des Pflegegrades 3 beträgt 545 Euro und wird monatlich gezahlt. Erhalten können dieses Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 mit oder ohne Demenzerkrankung.

    Pflegesachleistungen

    Werden Betroffene von einem professionellen Pflegedienst betreut, haben Sie Anspruch auf Pflegesachleistungen. Die Höhe der monatlichen Pflegesachleistungen für Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 mit oder ohne Demenz beträgt 1.298 Euro pro Monat.

    Betreuungs- und Entlastungsleistungen

    Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 haben Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Der sogenannte Entlastungsbeitrag beläuft sich auf 125 Euro im Monat. Mit ihm können verschiedene Leistungen wahrgenommen werden. Zu diesen gehören unter anderem:

    Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 haben Anspruch auf eine professionelle Kurzzeitpflege. Bezuschusst wird diese mit maximal 1.612 Euro für höchstens 28 Tage im Jahr. Wichtig zu wissen ist, dass Pflegebedürftige, die auf die Kurzeitpflege innerhalb eines laufenden Jahres nicht angewiesen sind, pro Jahr für bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege in Anspruch nehmen können. Die Höhe dieser beträgt dann bis zu 2.418 Euro.

    Verhinderungspflege

    Sollten die pflegenden Angehörigen oder Freunde in den Urlaub fahren oder selbst einmal erkrankt sein, kann für diesen Zeitraum ein ambulanter Pflegedienst engagieren werden. Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 haben während der Abwesenheit oder Verhinderung ihrer Angehörigen und Freunde Anspruch auf Verhinderungspflege. Diese wird ihnen in Höhe von bis zu 1.612 Euro für höchstens vier Wochen im Jahr gewährt. Sollten Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 im laufenden Jahr nicht auf die Verhinderungspflege angewiesen sein, haben sie Anspruch auf eine Kurzeitpflege von bis zu 3.224 Euro für maximal acht Wochen im Jahr.

    Tages- und Nachtpflege

    Pflegebedürftige des Pflegegrades 3 haben zur Entlastung der pflegenden Angehörigen Anspruch auf eine Tages- und Nachtpflege. Diese wird mit bis zu 1.298 Euro pro Monat bezuschusst.

    Weitere Leistungen

    Darüber hinaus können Pflegebedürftige des Pflegegrades 3, wenn diese zu Hause versorgt werden, noch weitere Leistungen beantragen. Bezuschusst werden unter anderem:

    • medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel
    • die Anpassung der Wohnung
    • kostenlose Kurse in Sachen Pflege für Angehörige und Freunde
    • das Leben in Wohngruppe

    Hinweis: Da es das Ziel der Pflegereform ist, die Pflege von Angehörigen zu Hause zu fördern, erhalten Pflegebedürftige, die stationär betreut werden, seit dem 01.01.2017 etwas weniger Geld. Der monatliche Betrag für die stationäre Pflege beträgt nun 1.262 Euro.