Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Alzheimer

Demenz und Alzheimer bedeuten Gedächtnisverlust und schwindende Eigenständigkeit – eine besondere Belastung für Angehörige und Pflegepersonal.

Mit dem Begriff der Demenz werden Erkrankungen beschrieben, die sich durch Verlust des kurz- und langfristigen Gedächtnisses auszeichnen. Dabei ist Alzheimer eine besonders stark ausgeprägte Form der Demenz. Der Betreuungsbedarf kann hoch sein, da in späteren Krankheitsstadien auch das Sprachvermögen und die Orientierung verloren gehen. Für Familienangehörige und Freunde ist diese Situation oftmals besonders belastend, da viele Patienten ihr Umfeld nicht mehr erkennen.

Pflegende Familienangehörige und auch professionelles Pflegepersonal stoßen bei Alzheimer-Patienten vielfach an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Nur schwer ist es zu verkraften, dass eine nahestehende Person ihre Familie oder Freunde nicht mehr erkennt, ohne Erinnerungen lebt, die kognitiven Fähigkeiten nach und nach verliert oder Wesensveränderungen zeigt.

Alzheimer – was ist das?

Alzheimer ist benannt nach Alois Alzheimer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Krankheit erstmals wissenschaftlich beschrieben hat. Die Ursachen sind allerdings bis heute nicht klar. Fest steht: Alzheimer führt zu einer Zerstörung des Nervengewebes im Gehirn, die nicht reparabel ist. In der Folge leiten die Nervenzellen Informationen nicht mehr korrekt weiter.

Alzheimer gehört zu einer Reihe von Demenzerkrankungen, denen gemein ist, dass sie sich durch den Verlust des Gedächtnisses auszeichnen. Dieser Gedächtnisverlust wird mit der Zeit immer stärker und schreitet immer schneller voran, sodass auch weitere kognitive Fähigkeiten in Mitleidenschaft gezogen werden – die Betroffenen benötigen in wachsendem Maß Unterstützung. Die Krankheit ist nicht heilbar, das Fortschreiten lässt sich allerdings durch die Einnahme von Medikamenten und Gedächtnistraining verlangsamen.

Fast immer tritt die Alzheimer-Krankheit bei älteren Menschen ab 60 Jahren auf, besonders stark betroffen sind diejenigen, die über 80 Jahre alt sind. Hier kommt es meist zu einer Pflegebedürftigkeit.

Alzheimer und Pflegebedürftigkeit

Wie bereits erläutert, trifft eine Alzheimer-Erkrankung nicht nur die Patienten selbst, sondern auch das gesamte Umfeld aus Familie und Freunden. Viele Patienten erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, sie wehren sich gegen die Pflege, gegen Körperhygiene oder Nahrungsaufnahme – das ist eine besonders schwierige Situation für diejenigen, die für die Pflege verantwortlich sind. Kraft, gute Nerven, Geduld und Verständnis sind hier in besonderem Maß gefragt.

Da Alzheimer oftmals mit Stimmungsschwankungen, Ablehnung der Pflege und nachlassenden kognitiven Fähigkeiten einhergeht, ist die Situation nicht nur für die Familie schwierig, sondern auch für professionelles Pflegepersonal. Die Aufgaben sind umfassend: Unterstützung im kognitiven Bereich, zum Beispiel durch Trainieren der Erinnerungsfähigkeit oder der Orientierung, ist wichtig, aber auch Alltägliches, Körperpflege, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder Mobilität, fällt in den Bereich des Pflegepersonals.

Aktivierende Pflege bei Alzheimer

Zwar kann Alzheimer nicht geheilt werden, eine Verlangsamung der Krankheit ist bei frühzeitiger Diagnose aber durchaus möglich. Die Therapie läuft zum einen über die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Zum anderen werden die Patienten angehalten, die kognitiven Fähigkeiten so lange zu erhalten, wie es möglich ist.

Der Fachbegriff für eine solche Behandlung lautet „aktivierende Pflege“. Das heißt, diejenigen, die mit der Pflege betraut sind, helfen den Betroffenen dabei, seine geistigen Fähigkeiten zu erkennen, zu bewahren und zu fördern. Da dies sehr zeitaufwändig ist und ein hohes Maß an Geduld erfordert, ist es für ambulante Pflegekräfte eine schwierige Situation. Aber auch die Angehörigen sind psychisch oft am Ende ihrer Belastbarkeit – die Anforderungen der Alzheimer-Krankheit sind hoch.

Schon früh macht sich Alzheimer durch Vergesslichkeit, Sprach- oder Wortfindungsstörungen sowie Verständnisprobleme bemerkbar. Die verbleibenden Fähigkeiten sollen aus diesem Grund frühzeitig trainiert und in die Pflege einbezogen werden. Erinnerungshilfen, festgelegte Routinen, eine gewohnte Tagesstruktur und das Erinnern an schöne Momente helfen den Patienten im Alltag.

Alzheimer und Kommunikation

Kommunikation ist ein bedeutender Punkt im Umgang mit Alzheimer-Patienten. Der Gedächtnisverlust geht mit mangelndem Orientierungssinn und Sprachgefühl ebenso einher wie mit dem Gefühl, überfordert zu sein und die Welt bzw. das Leben nicht mehr zu verstehen. Warum ist Körperhygiene wichtig? Wieso müssen Nahrung und Flüssigkeit aufgenommen werden? Warum darf das Haus nicht mehr alleine verlassen werden? Diese Fragen überfordern die Betroffenen, die zwingend nötigen Regeln und Vorschriften verstärken das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein. Werden die Patienten wie unmündige Kinder behandelt, ist das für sie schwer auszuhalten.

Aus diesem Grund ist es eine Herausforderung, für die Beteiligten eine Kommunikationsform zu finden, mit der alle einverstanden sind. Einfache Sprache und einfache Fragen ohne Vorwürfe können das Gespräch erleichtern. Auch hier sind Geduld und Verständnis gefragt.

Alzheimer und Pflegestufe bzw. Pflegegrad

 
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Seit einer Pflegereform wurde Alzheimer 2017 in den Katalog derjenigen Krankheiten und Einschränkungen aufgenommen, die mit dem Feststellen einer Pflegebedürftigkeit und damit mit der Erteilung eines Pflegerades einhergehen. Gerade zu Beginn der Erkrankung sind allerdings keine besonders hohen Pflegeleistungen zu erwarten, da die Selbstständigkeit noch weitestgehend gewahrt ist. Der Grad der Selbstständigkeit bzw. das Ausmaß der benötigten Hilfe entscheidet darüber, welche Leistungen erhalten werden können.

Schreitet Alzheimer weiter voran, wird vielmals eine Ganztagesbetreuung notwendig. Hier kann ein höherer Pflegegrad vergeben werden. Dies ist auch der Fall, wenn Demenzerkrankungen mit körperlichen Beschwerden oder Altersschwäche einhergehen – dann erhalten die Patienten oft Anspruch auf umfangreichere Leistungen. Dafür wird die Pflegesituation eingehend von einem unabhängigen Pflegegutachter geprüft. Erkrankte bzw. ihre Angehörigen sollten sich deshalb immer dann mit der Antragsstellung befassen, wenn der Betroffene zunehmend auf Hilfe angewiesen ist.

 
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