Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Osteoporose

Bei Osteoporose ist besondere Vorsicht im Alltag nötig. Ein sensibler Umgang mit der Knochenerkrankung und eine kalziumhaltige Ernährung sind in der Pflege wichtig.

Der volkssprachliche Begriff „Knochenschwund“ beschreibt die Krankheit recht treffend. Knochensubstanz wird bei Osteoporose abgebaut, die Struktur der Knochen wird zunehmend brüchig. Viele Patienten leben in ständiger Angst, denn schon ein leichter Sturz kann fatale Folgen haben. Was ein gesunder Mensch wegsteckt, kann bei Osteoporose-Betroffenen zu Knochenbrüchen und Frakturen führen.

Besonders ältere Menschen sind von Osteoporose betroffen, das heißt für ihren Alltag: besondere Vorsicht. Es ist wichtig, sich ohne Stolperfallen und ggf. mit Unterstützung bewegen zu können. Bei dieser degenerativen Krankheit sind regelmäßige Spaziergänge, aktive Mobilität, eine gesunde Lebensweise und Ernährung mit knochenstärkenden Nahrungsmitteln essenziell für die Pflege. Können Betroffene nicht mehr ohne Unterstützung mit der Krankheit umgehen, sind sie auf Pflege durch Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte angewiesen.

Wir geben einen Einblick in die Krankheit Osteoporose, ihre Ursachen und die Folgen für die Patienten. Zudem beantworten wir die Frage, ob es möglich ist, einen Pflegegrad, der 2017 die Pflegestufe abgelöst hat, zu erhalten. Ein wichtiger Punkt ist auch die Entscheidung darüber, ob die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld leben können oder in ein Pflegeheim umziehen müssen.

Osteoporose – Informationen zur Krankheit

Wie schon angedeutet, wird Osteoporose in der Bevölkerung oft als „Knochenschwund“ bezeichnet. Aus medizinischer Sicht handelt es sich allerdings um eine chronische Skeletterkrankung. Der Wortbedeutung nach geht es um „poröse Knochen“ – hier wird klar, worum es geht: Mit der Zeit wird immer mehr Knochengewebe abgebaut. Die Knochenmasse wird weniger, parallel verändert sich auch der Feinaufbau des Knochengewebes. In der Folge sind die Kochen anfällig für Verletzungen und Frakturen.

Die Krankheit ist gekennzeichnet durch einen schleichenden Prozess. Lange Zeit kann sie ohne Symptome verlaufen und bleibt deswegen unerkannt. Betroffene wissen oft viele Jahre nicht, dass sie an Osteoporose leiden, wenn die Diagnose dann gestellt wird, ist die Krankheit oft schon fortgeschritten. Nicht unüblich ist, dass zehn oder mehr Jahre vergehen, bis zum ersten Mal Schmerzen oder Frakturen auftreten. Nach so einer langen Zeit ist das Knochengewebe aber schon stark reduziert. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen, selbst bei einer normalen Belastung.

Grundsätzlich werden zwei Arten von Osteoporose unterschieden, die primäre und die sekundäre Form. Bei primärer Osteoporose ist keine Ursache, kein Grund für den Ausbruch der Krankheit erkennbar. Frauen sind vor allem während der Menopause gefährdet, bei Männern und Frauen steigt das Risiko gleichermaßen ab dem 70. Lebensjahr, da im Alter mehr Knochenmasse ab- als aufgebaut wird. Ist die Osteoporose bedingt durch eine Vor- oder Grunderkrankung, handelt es sich um eine sekundäre Osteoporose. Hier können unter anderem Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder Bewegungsmangel aufgrund einer eingeschränkten Mobilität eine Rolle spielen.

Osteoporose und Pflegebedürftigkeit

Die Sturzgefahr und die eingeschränkte Mobilität machen die Osteoporose-Pflege besonders herausfordernd. Erster und wichtigster Punkt bei Maßnahmen, die im Rahmen der Pflegebedürftigkeit durchgeführt werden, ist die Anpassung des Wohnumfeldes. Stolperfallen müssen beseitigt, Stufen eventuell durch Rampen ersetzt werden. Auch können Haltegriffe angebracht werden, um den Alltag zu erleichtern. Es ist wichtig, das Risiko eines Sturzes und damit die Gefahr eines Knochenbruches auf ein Minimum zu reduzieren.

Ein relativ selbstständig geführter Alltag in den eigenen vier Wänden ist möglich, wenn der Wohnraum sinnvoll angepasst wird. Sind die Patienten gehbehindert oder in ihren Bewegungen unsicher, können auch Gehhilfen, zum Beispiel Stöcke oder Rollatoren, sinnvoll sein. Die Unterstützung von pflegenden Familienangehörigen oder professionellen Pflegekräften ist natürlich ebenfalls eine große Hilfe.

Osteoporose – was kann Pflege leisten?

Verschiedene Maßnahmen können dazu beitragen, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Es ist wichtig, den Knochenaufbau zu fördern und gleichzeitig den Abbau der Knochenmasse aufzuhalten – hier spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Nahrung und Getränke sollten kalziumreich und knochenfreundlich sein, zum Beispiel sind Milchprodukte, vor allem Hartkäse, sehr reich an Kalzium. Der Mineralstoff ist ein wichtiger Nährstoff für den Speiseplan von Osteoporose-Patienten. Auch Haselnüsse, Spinat und Grünkohl sollten regelmäßig auf den Tisch kommen, sie fördern den Aufbau von Knochenmasse.

Der zweite relevante Punkt ist die Bewegung, denn durch regelmäßige Spaziergänge oder leichte sportliche Aktivitäten werden Knochen wie auch Muskeln gestärkt. Zudem wird die Koordinationsfähigkeit der Patienten gefördert, sodass Stürzen vorgebeugt werden kann. Tägliche Bewegung an der frischen Luft trainiert die Muskulatur, die dem Skelett Halt gibt und regt die Vitamin-D-Produktion an, was ebenfalls dem Knochenaufbau zugutekommt.

Bei Osteoporose besonders geeignet ist Wassergymnastik. Die Gefahr eines Sturzes besteht nicht, die Bewegung im Wasser hilft beim Knochenaufbau, der Stoffwechsel und die Muskulatur werden gestärkt, die Wirbelsäule entlastet. Zudem ist es sinnvoll, das Konzept der sogenannten „aktivierenden Pflege“ zu verfolgen. Das heißt, die Patienten werden dabei unterstützt, so viel wie möglich eigenständig zu bewältigen. Dadurch lässt sich der Verlauf der Osteoporose verlangsamen.

Osteoporose und Pflegestufe bzw. Pflegegrad

Jeder Antrag auf einen Pflegegrad (bis 2017: Pflegestufe) wird individuell betrachtet. Nur wer seinen Alltag nicht mehr selbstständig meistern kann, hat Anspruch auf einen Pflegegrad und den damit verbundenen Pflegeleistungen. Der Einzelfall wird durch einen Pflegegutachter des Medizinischen Diensts der Krankenkassen, MDK, im Rahmen des „Neuen Begutachtungsassessments“ geprüft. Im Ergebnis liegt eine Einstufung durch die Pflegeversicherung vor.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
 

Die fünf Pflegegrade unterscheiden sich in ihrem jeweiligen Leistungsumfang. Je höher die Einschränkungen im Alltag sind, desto höher fällt auch der Pflegegrad aus. Entscheidende Fragen lauten: Wie weit ist die Osteoporose entwickelt? Wie viel Betreuung und Hilfe benötigt der Patient? Kommen weitere Einschränkungen, zum Beispiel in Form einer Demenz, hinzu? Nach den Antworten auf diese Fragen richtet sich der konkrete Pflegegrad.

 
Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen
 

Finanzielle Unterstützung für die Anpassung des Wohnraumes erhalten Sie zusätzlich und unabhängig vom jeweiligen Pflegegrad. Bis zu 4.000 Euro können pro Maßnahme bezuschusst werden, diese müssen Sie bei der Pflegeversicherung beantragen.