Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Krebs

Die Krebsdiagnose ist oftmals ein Schock. Was bedeutet Krebs für die Pflege und den Anspruch auf eine Pflegestufe bzw. Pflegegrad?

Eine Krebserkrankung stellt eine Zäsur im Leben dar und meistens ist eine ganze Familie betroffen. Denn nicht nur das Leben des Patienten selbst, sondern auch das seiner Angehörigen verändert sich, die Behandlung braucht viel Zeit, oft sind noch Monate nach der Diagnose erhebliche Auswirkungen auf den Alltag zu spüren.

Eine Krebserkrankung kann in jedem Lebensalter mit einer Pflegebedürftigkeit einhergehen. Besonders betroffen sind allerdings ältere Menschen, die unter der Operation und der darauffolgenden Chemotherapie oftmals stark leiden. Durch die Krebstherapie sind die Patienten geschwächt, können ihren Alltag nicht mehr selbstständig gestalten und sind auf Hilfe angewiesen.

Wir geben Ihnen einen Überblick über die drängendsten Fragen in Bezug auf Krebs, stellen die Krankheit und Aspekte bezüglich der Pflegestufe bzw. dem Pflegegrad und der Pflegeversicherung vor.

Was ist Krebs?

Krebs ist eine Erkrankung der Gene, denn Krebszellen entstehen, wenn sich bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz verändern. Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei Krebs um eine bösartige Neubildung von Gewebe. Zumeist entwickelt sich Krebs in Form eines Tumors, aber auch das blutbildende System kann betroffen sein. Besonders bekannt ist hier die Leukämie, der weiße Blutkrebs. Krebs ist eine sogenannte maligne Erkrankung. Mit dem Begriff der Malignität werden in der Medizin Krankheiten beschrieben, die den Körper fortschreitend zerstören. Werden sie zu spät oder gar nicht diagnostiziert, führen maligne Krankheiten zum Tod der Betroffenen.

Krebs ist in der Gesellschaft ein allgegenwärtiges Thema, kann doch jeder Mensch daran erkranken und oft sind Fälle im Freundes- oder Familienkreis bekannt. Nach Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems ist Krebs in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Ob die Krankheit tödlich verläuft, hängt davon ab, wie schnell sich der Krebs ausbreitet. Wenn er rechtzeitig erkannt wird, ist die Krankheit auch heilbar.

Auch wenn potenziell jeder an Krebs erkranken kann, bestimmen verschiedene Aspekte den Ausbruch der Krankheit, zum Beispiel das Alter oder das Geschlecht, Ernährungsgewohnheiten oder der Wohnort. In Deutschland sind bei Frauen vor allem die Brustdrüsen und bei Männern die Prostata, die Lunge und der Dickdarm betroffen.

In den letzten Jahren wurden viele neue Forschungserkenntnisse darüber gewonnen, wie Krebs entsteht. Grundsätzlich sind Zellwachstum und Zelltod bei einer Krebserkrankung nicht in Balance – im Gegensatz zu gesunden Menschen, deren Körper aus einem Gleichgewicht aus verschiedenen Zelltypen besteht, die das Gewebe der Organe bilden. In gesunden Körpern werden laufend neue Zellen gebildet, andere Zellen sterben ab. Eine Krebserkrankung entsteht, wenn sich diese Zellen überschießend und eigenständig teilen, während weniger Zellen absterben.

Der Grund dafür liegt im genetischen Code eines jeden Menschen. Einflussfaktoren können Umweltaspekte sein, zum Beispiel Gifte oder Strahlung, aber auch der jeweilige Lebensstil und die persönlichen Umstände können eine Rolle spielen. Die Wissenschaft ist dabei, die ausschlaggebenden Punkte weiter zu erforschen.

Krebs und Pflegebedürftigkeit

Krebspatienten können weitestgehend selbstständig leben, sie können aber auch ans Bett gefesselt und auf umfangreiche Hilfe angewiesen sein. Viele Patienten müssen während der Therapie, vor allem beim Einsatz einer Chemotherapie, das Krankenhaus aufsuchen und einige Zeit dort verbringen. Beim Einschätzen der möglichen Pflegebedürftigkeit muss folglich immer der Einzelfall betrachtet werden, allgemeingültige Aussagen sind nicht möglich.

Da Krebs heilbar ist, ist in vielen Fällen nur eine vorübergehende Pflege notwendig. Haben die Patienten die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, können sie ihr Leben selbstständig weiterführen und ihren Alltag meistern. Sind ältere Menschen an Krebs erkrankt bzw. sind Patienten, die bereits vor der Diagnose auf Hilfe angewiesen waren, betroffen, müssen diese auch nach der Rückkehr in ihr Zuhause unterstützt werden.

Krebserkrankung und Pflegegrad

Eine Pflegebedürftigkeit wird in Deutschland festgestellt, wenn Menschen in ihrem Alltag auf Pflege und Hilfe angewiesen sind. Die Erteilung einer Pflegestufe bzw. eines Pflegerades ist davon abhängig, wie stark der Patient auf Unterstützung angewiesen ist. Voraussetzung ist, dass mindestens sechs Monate eine anhaltende Pflegebedürftigkeit besteht. Gerade bei Krebserkrankungen ist den Betroffenen aber oft nicht bewusst, in welchen Fällen es sich um eine gewöhnliche Krankenpflege und wann es sich um eine Pflegebedürftigkeit handelt.

Um einen Pflegegrad bei einer Krebserkrankung zu erhalten, muss klar sein, dass die Pflege langfristig und täglich nötig ist. Andernfalls übernimmt die Krankenversicherung für gewöhnlich die medizinische Pflege. Da eine solche Erkrankung eine enorme Belastungssituation für die Patienten und ihre Angehörigen darstellt, sollte ein Pflegestützpunkt aufgesucht werden, um sich von Experten in diesem Bereich umfassend beraten zu lassen.

 
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Pflege und Versorgung zu Hause

Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus sollten einige Punkte geklärt werden, um die richtige Pflege zu gewährleisten. Dabei wird im Gespräch mit den zuständigen Ärzten der jeweilige Einzelfall detailliert besprochen, um zu entscheiden, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind, ob diese Pflege zu Hause möglich ist oder ob die privaten Wohnverhältnisse eine Pflege gar nicht ermöglichen. Zudem sollte diskutiert werden, ob Familie oder Freunde die Pflege leisten können und leisten wollen.

Ist die häusliche Pflege nicht ohne Umbaumaßnahmen möglich, kann die Pflegeversicherung die Kosten übernehmen. Auch ein professioneller Pflegedienst kann beauftragt werden, wenn die Angehörigen die Aufgaben nicht alleine bewältigen können. Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung und medizinische Behandlungspflege können an den Pflegedienst ausgelagert werden.

Der Entscheid über die Pflegestufe bzw. seit 2017 den Pflegegrad geschieht individuell und ist vom Einzelfall abhängig. Ein standardisiertes Begutachtungsverfahren soll dabei helfen, den korrekten Pflegebedarf zu ermitteln. Bei einem vorübergehenden, zeitlich befristeten Bedarf ist in aller Regel die Krankenversicherung zuständig. Handelt es sich um einen längerfristigen Bedarf, vergibt die Pflegeversicherung einen von insgesamt fünf Pflegegraden.