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Pflege Unterstützung2018-05-24T19:19:58+00:00

Wer zu Hause gepflegt wird, benötigt nicht nur rein pflegerische Betreuung, sondern auch Hilfe in ganz profanen Alltagsangelegenheiten. Schon das Einkaufen, das Essenkochen oder das Lesen eines Buches kann für den Pflegebedürftigen zum Problem werden.

Hilfsangebote zur „Unterstützung im Alltag“, wie der offizielle Terminus lautet, sind in reichem Maße vorhanden, sowohl für die Belange der Haushaltsführung als auch für Soziales und Kulturelles. Unter Umständen werden sie sogar von der Pflegekasse bezuschusst.

Oft wird häusliche Pflege reduziert auf die rein pflegerische und medizinische Betreuung. Doch damit allein ist es nicht getan. Der Pflegebedürftige hat ungeachtet seiner Krankheit und seiner Altergebrechen einen Haushalt zu führen, einen Alltag zu bestreiten, Kontakte zu pflegen und nicht zuletzt auch geistige Interessen zu verfolgen. Doch welcher Pflegedienst hat schon Zeit für einen Spaziergang mit seinem Klienten, für das Abfassen eines Behördenbriefes oder auch nur für einen kleinen Austausch zur jüngsten Entwicklung im Nahen Osten? Hier sind Familienangehörige gefordert, alte Freunde oder nette Nachbarn, und in etlichen Fällen klappt das auch sehr gut. Doch es gibt viele pflegebedürftige Senioren, deren Angehörige verstorben sind oder in weiter Ferne leben. Dann droht die soziale Vereinsamung, und es droht die Überforderung bei der Verrichtung von Alltagsdingen, die dem Gesunden banal und leicht erscheinen.

Vielfältige Hilfsangebote

Längst hat die Pflegebranche darauf reagiert und zahlreiche Angebote zur Alltagsentlastung für gebrechliche und pflegebedürftige Senioren geschaffen. Essensdienste, Einkaufsdienste, Hol- und Bringdienste, Fahrdienste oder Wäschedienste gibt es überall zuhauf, meist angeboten von Sozialwerken oder Wohlfahrtsorganisationen. Inzwischen werden auch Vermittlungsfirmen zugelassen, die sich ganz auf Dienstleistungen für Pflegebedürftige spezialisiert haben.

Auch die soziale Seite kommt nicht zu kurz: Hier sind es vor allem die lokalen Nachbarschaftshilfe-Vereine wie etwa die Ortsgruppen der Volkssolidarität, die sich äußerst rührig um die Hilfsbedürftigen in ihrer Umgebung kümmern. Neben zahlreichen Freizeitaktivitäten wird hier auch individueller Service geboten, etwa das Vorlesen von Büchern oder Hilfe bei Behördenangelegenheiten.

Ein Kapitel für sich ist das „Essen auf Rädern“, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem eigenen, sehr lukrativen Erwerbszweig ausgewachsen hat. Alte Menschen haben oft Probleme, wenn sie sich so wie in früheren Jahren am eigenen Herd ein warmes Essen zubereiten wollen; und das Gefährliche ist, dass sie auch kein normales Hungergefühl mehr verspüren. Die Idee, pflegebedürftigen Menschen warmes Mittagessen frei Haus zu liefern, wurde in den 1940-er Jahren in Großbritannien geboren und fand rasch Verbreitung in den USA und in vielen europäischen Staaten. In Deutschland hat sich das „Essen auf Rädern“ seit den 1960-er Jahren etabliert und ist heute gefragter denn je. Fast jedes große Wohlfahrtsunternehmen bietet diese Form der Verköstigung an, die vielen alten Menschen hilft, sich trotz Pflegebedürftigkeit und altersbedingten Gebrechen oder Gedächtnislücken gesund und vollwertig zu ernähren.

Alltagshilfe im Pflegerecht

Im Pflegerecht werden alle diese sozialen und haushaltsbezogenen Hilfsangebote unter dem Terminus „niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung im Alltag“ zusammengefasst (auch als „Betreuungs- und Entlastungsangebote“ bekannt). Er umschreibt den Einsatz ehrenamtlicher Helfer, die einen Pflegebedürftigen außerhalb der regulären Pflege betreuen, beaufsichtigen oder einfach unterhalten. Der Rahmen solcher Einsätze ist weit gefasst: Die stundenweise Pflegevertretung und die Sitzwache am Krankenbett fällt ebenso darunter wie der wöchentliche Einkauf für den pflegebedürftigen Nachbarn oder der Theaterbesuch mit der gehbehinderten Seniorin.

Oft handelt es sich bei solchen Einsätzen um freiwillige Nachbarschaftshilfe, bei der keine Vergütung im Spiel ist. Doch einige der hier genannten Tätigkeiten werden auch in professionellem Umfang durchgeführt. Diese sind nicht nur aufwändig und anstrengend, sondern auch mit hohen Kosten verbunden. In solchen Fällen kann durchaus eine Erstattung durch die Pflegekasse erfolgen – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der jeweilige ehrenamtliche Helfer reguläres Mitglied in einer gesetzlich zugelassenen Organisation ist. Das kann ein anerkannter Pflegedienst sein, eine Serviceeinrichtung, ein lokaler Verein zur Nachbarschaftshilfe oder eine kirchliche Einrichtung. Für Privatpersonen ist keine Honorierung der Pflegeunterstützung vorgesehen.

Der Entlastungsbetrag

Wenn die helfende Person oder Organisation die besagten Prämissen erfüllt, hat sie Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag. Wie der Name schon sagt, wird er für Aufwendungen vergeben, die den Pflegebedürftigen bzw. dessen Pflegeperson entlasten. Während die Höhe des Betrages früher vom jeweiligen Pflegegrad abhing, beträgt sie seit 2017 für alle Pflegegrade einheitlich 125 Euro pro Monat. Dies ist allerdings keine Pauschale, die jeden Monat ausgezahlt wird, sondern eine Höchstgrenze für die Erstattung der tatsächlich angefallenen Kosten, die durch Belege und Rechnungen nachzuweisen sind.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
 

Der Antrag auf den Entlastungsbetrag wird in der Regel erst gestellt, nachdem eine bestimmte Leistung erbracht wurde, was bedeutet, dass der Pflegebedürftige oder dessen Pflegeperson zunächst in Vorkasse gehen muss, um diese Leistung zu vergüten. Nur Pflegedienste oder Vermittlungsfirmen rechnen direkt mit der Kasse ab.

Mit den 125 Euro steht dem Pflegebedürftigen gewissermaßen ein kleine Budget für Unterstützungen im Alltag zur Verfügung, das er ausgeben, aber auch über mehrere Monate ansparen kann, um es dann für eine größere Betreuungsleistung auszugeben. Sogar im folgenden Kalenderjahr ist dieses Budget noch abrechenbar.

 
Pflegeleistungen im Detail erklärt
 

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