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Pflegehilfsmittel2018-05-24T19:27:35+00:00

Pflegehilfsmittel gibt es nicht im Supermarkt, und wer sie plötzlich im Haushalt braucht, sieht sich mit einer völlig neuen Welt konfrontiert: Er lernt, dass Omas Seniorenwindeln „Hilfsmittel“ sind, ihre Betteinlagen dagegen „Pflegehilfsmittel zum Verbrauch“ und das neue elektrische Bett ein „technische Pflegehilfsmittel“.

Selbst „Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes“ zählen zu den Pflegehilfsmitteln, und für jedes dieser Produkte gelten andere Bestimmungen und Zuständigkeiten. Gar nicht so einfach, sich da durchzufinden.

Pflege ist bekanntlich teuer. Nicht nur die Pflegekräfte wollen bezahlt sein, auch die familiäre Haushaltskasse wird in ungewohnter Weise belastet. Ist ein Pflegebedürftiger im Haus, benötigt man plötzlich Gegenstände, von denen man zuvor überhaupt nichts wusste. Inkontinenzprodukte zum Beispiel – noch vor Kurzem hat man aus der Ferne überlegen darüber geschmunzelt, und plötzlich erfährt man in der eigenen Familie, wie hochwichtig diese Produkte sind. Hunderttausende von alten Leuten leiden unter Inkontinenz. Die Industrie hat darauf längst reagiert und hält ein breit gefächertes Angebot vor an Seniorenwindeln, Betteinlagen, Spezialslips, Schutzschürzen, Gummihandschuhen und, und, und. Es mag nicht besonders angenehm sein, sich mit solchen Artikeln zu befassen. Doch es ist gut, dass es sie gibt, das begreifen die betroffenen Familien spätestens dann, wenn die pflegebedürftige Oma die teure Matratze ruiniert hat. Doch auch der regelmäßige Einsatz solcher Inkontinenzprodukte kann auf die Dauer ganz schön ins Geld gehen.

Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Die Kranken- und Pflegeversicherungen bieten Hilfen und Zuschüsse an, wobei sie nach einem komplizierten System zwischen Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln unterscheiden. Seniorenwindeln beispielsweise werden als Hilfsmittel definiert, das heißt, sie sollen dazu dienen, Ersatz bzw. Erleichterung bei beeinträchtigten Körperfunktionen zu schaffen. Hörgeräte oder Brillen etwa fallen unter diese Kategorie. Die Vergabe und Finanzierung von Hilfsmitteln untersteht der Krankenkasse. Wenn also die Blasenfunktion eines Pflegebedürftigen gestört ist, muss der behandelnde Arzt das diagnostizieren und ein Inkontinenzrezept verschreiben. Dann werden die Kosten für die benötigten Seniorenwindeln von der Krankenkasse vollständig übernommen.

Anders bei den Pflegehilfsmitteln. Per definitionem sind das Produkte, die den Alltag eines Pflegebedürftigen erleichtern und seine Selbstständigkeit so weit wie möglich erhalten sollen. Hierunter fallen viele Sanitärprodukte, die ein Inkontinenzkranker laufend benötigt, etwa Betteinlagen, Schutzschürzen, Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe. Solche Produkte heißen „Pflegehilfsmittel zum Verbrauch“ und werden von der Pflegekasse finanziert. Jeder Bürger, der einen Pflegegrad hat und der zu Hause bzw. in einer Wohngemeinschaft lebt, kann für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch einen Pauschalbetrag von 40 Euro pro Monat in Anspruch nehmen – also immerhin 480 Euro pro Jahr.

Natürlich hat die Industrie auch darauf reagiert: Überall haben sich Sanitätshäuser und Servicedienste auf die Zusendung von monatlichen Pflegepaketen spezialisiert, deren Inhalt ganz auf den Bedarf eines bestimmten Pflegehaushalts zugeschnitten ist. Auch die Formalitäten der Antragstellung werden von solchen Firmen übernommen. Zwar werden 40 Euro in den meisten Fällen nicht reichen, um den monatlichen Bedarf an Pflegehilfsmitteln zu decken, doch sie schaffen immerhin eine deutliche Entlastung für die betroffenen Haushalte.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
 

Technische Pflegehilfsmittel

Aber was, wenn noch weitaus teurere Produkte für die Pflege benötigt werden, ein elektrisches Pflegebett beispielsweise, ein Rollstuhl oder ein Treppenlift? Auch dann ist wieder erst die Definition und damit die Zuständigkeit zu klären. Rollatoren und Rollstühle zählen ebenso wie Krücken oder andere Gehhilfen wiederum zu den Hilfsmitteln, für die die Krankenversicherung zuständig ist. Ein Pflegebett dagegen ist ein sogenanntes „technische Pflegehilfsmittel“, also ein langlebiges Pflegeprodukt, für das wiederum andere Bestimmungen gelten. Der Pflegebedürftige muss es beantragen und die Notwendigkeit der Anschaffung begründen, die dann durch den MDK bzw. durch die Medicproof zu überprüfen ist.

Gibt die Pflegekasse dem Antrag statt, so wird dem Pflegebedürftigen das benötigte Gerät meist auf Leihbasis zur Verfügung gestellt. Wenn eine Neuanschaffung notwendig ist, muss er eine Zuzahlung in Höhe von 10 % entrichten, wobei eine Obergrenze von 25 Euro festgesetzt wurde. Auch Einweisungen oder Reparaturen trägt in der Regel die Pflegekasse.

Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds

Der Einbau eines Treppenlifts ist dagegen eine „Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds“ bei einem Pflegebedürftigen. Auch solche Maßnahmen werden zu den Pflegehilfsmitteln gezählt und bilden dort eine dritte Gruppe, in der die höchsten Kosten anfallen. In den meisten Fällen geht es darum, dass ein Pflegebedürftiger den Wunsch hat, in seiner gewohnten Umgebung zu bleiben und dieselbe so zu verändern, dass er dort relativ selbstständig leben kann. Doch auch ein Umzug, etwa in eine Wohnung mit Fahrstuhl oder zu ebener Erde, kann eine solche Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds darstellen. In beiden Fällen entstehen horrende Kosten. Allein der Umbau eines Badezimmers für die barrierefreie Körperpflege ist ein finanzieller und technischer Kraftakt, ganz zu schweigen vom Einbau eines Treppenlifts. Deshalb wird auch hier durch den MDK bzw. die Medicproof auf das Gründlichste die Notwendigkeit der Maßnahme in Abhängigkeit vom Pflegegrad und auch vom Allgemeinzustand des Pflegebedürftigen untersucht. Doch wenn die Maßnahme befürwortet wird, winken großzügige Zuzahlungen – im Fall des Treppenlifts bis zu 4.000 Euro.

Fazit: Die Kassen unterstützen zwar den Pflegebedürftigen und seine Familie bei der Finanzierung von Pflegehilfsmitteln, doch die Abgrenzung der Zuständigkeiten und die Beantragung von Geldern ist mitunter recht verwirrend.

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